So schmeckt die Konjunkturkrise!


Gestern wurde uns in den Nachrichten betroffen mitgeteilt, daß die Konjunkturkrise nun den Arbeitsmarkt erfasst hätte und es mehr Arbeitslose gäbe. Nun, das ist jetzt nicht so überraschend. Harte Zeiten wurden uns ja schon angekündigt und die ersten Auswirkungen machen sich nun bemerkbar.

Wir sollten uns also auf drohende Armut einstellen. Du, ich, wir alle, die wir noch Arbeit haben, lümmeln auf dem Schleudersitz und können morgen schon in die Arbeitslosigkeit katapultiert werden. Bis sich die Konjunktur dann erholt, können Jahre vergehen. Man denke nur, wie lange es gedauert hat, bis wir Arbeitnehmer etwas vom Aufschwung abbekommen haben. Genau! Das ist nie passiert, weshalb es tatsächlich dringend erforderlich ist, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Die Mühlen mahlen langsam. Seeehr langsam. Und das heißt nichts anderes als: Arbeitslos = Hartz-IV, denn da rutscht man schneller rein als man denkt. Und Hartz-IV wiederum bedeutet „so-weit-unten-tiefer-geht-es-kaum“.

Ich spreche aus Erfahrung und möchte gerne meinen Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen, dramatischen Lage leisten. In loser Folge werden hier daher Kochrezepte erscheinen, die ein Überleben auch in Zeiten der Armut gewährleisten.

Viel Vergnügen beim Nachkochen. Und bon appétit.

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Ein Fest in Würde


Ich lese immer und immer wieder, wie angenervt viele von der Weihnachtszeit sind. Es tut mir wirklich leid, wenn man so empfindet. Das liegt wohl daran, daß die meisten Weihnachten an den Geschenken festmachen, vielleicht auch die Traditionen mit unanagenehmen Erlebnissen verbinden und sich außerdem von dem Konsumverlockungs-Overflow bedrängt fühlen.

In Momenten der glitzernden, engelbestückten und O-du-fröhliche-schmetternden Warenauslagen bin ich wirklich dankbar, daß ich die Hartz-IV-Zeit im Rücken habe. Die Kauflust minimiert sich dadurch so sehr und man wird ein ausgesprochen bescheidener Mensch, der stets abwägt, ob er eine Sache wirklich braucht oder nicht.

Das ist natürlich nicht gut für die Wirtschaft, aber mein schlechtes Gewissen hält sich deutlich in Grenzen. Das sind eben die Nachwirkungen der staatlich verordneten Armut und ich bitte sehr darum, daß mir diese Nachwirkungen noch lange erhalten bleiben. Die ehemals notwendige Bescheidenheit, die nun, da ich mir (fast) alle meine Wünsche erfüllen könnte, in vollster Freiwilligkeit weiterbesteht, öffnet einem ja auch die Augen. Wieviel Geld hat man ehedem für Blödsinn ausgegeben, um sein mickriges Selbstwertgefühl zu steigern?

Und da man als Hartz-IV-ler kein Selbstwertgefühl mehr besitzt, braucht man es auch nicht mit Konsumgütern aufpimpen.

Und wenn du Glück hast und irgendwann wieder aus dem Loch rauskriechst, dann wird dir klar, daß es nicht all der Scheiß in den Läden ist, der dir gefehlt hat, sondern die Anerkennung und Wertschätzung deiner Person. Der Respekt und die Achtung oder auf den Punkt gebracht: Die Menschenwürde. Und die kannst du nun mal nicht kaufen.

Aber du kannst sie schenken.

Ein schönes, besinnliches Weihnachtsfest wünscht allen Atomality. 🙂

Alles gesagt


Wenn folgende Feedreadermeldung nicht total neugierig macht, dann weiß ich auch nicht!

Alles gesagt

Ich war eine davon


Endlich wird das Problem der arbeitenden Hartz-IV-Empfänger in den Medien häufiger aufgegriffen. Ich gehörte auch zu dieser Personengruppe, allerdings schon im Jahr 2005, also frisch zur Einführung des ALG II oder Hartz IV, benannt nach dem deutschen Manager und Veruntreuer Peter Hartz:

Am 17. Januar 2007 gestand Hartz (…) alle 44 Klagepunkte ein. Der Gesamtschaden dieser Schmiergeld-Affäre beträgt 2,6 Millionen Euro. Trotz einer theoretischen Höchststrafe von 15 Jahren Freiheitsstrafe einigten sich Staatsanwaltschaft und Verteidiger allerdings auf eine Freiheitsstrafe von 2 Jahren, die zur Bewährung ausgesetzt wurde, und eine Geldstrafe von 360 Tagessätzen a 1600 € (insgesamt also 576.000 €) im Gegenzug für ein volles Geständnis.
Quelle: Wikipedia

Ich arbeitete 40 Stunden die Woche, hatte 7 Tage Urlaub und bekam dafür knapp 500 Euro netto. Die Firma, die mich unter diesen Bedingungen einstellte, produzierte Print- und Digital-Medien. Ich war als Layouterin und Marketingmanagerin dort tätig. Ich steigerte Umsatz und Gewinn und verhalf meinem Chef (nach eigener Aussage) zu einem Zweitwagen und einem Mehrfamilienhaus.

Warum ist man so dämlich und lässt sich das (so wie ich über 4 Jahre – ich arbeitete schon vor Hartz IV dort) gefallen?

  • Öffentlicher Druck: Man möchte nicht als Sozialschmarotzer gelten
  • Selbstbestätigung: Man zieht ein gewisses Selbstwertgefühl aus Arbeit
  • Beschäftigung: Man möchte auf jeden Fall vermeiden, zu Hause in den eigenen vier Wänden Depressionen zu bekommen

Mein Chef feierte sich übrigens gerne als Arbeitsplatzerschaffer. Er gefiel sich in der Rolle, gönnerhaft Beschäftigung anzubieten. So hatten wir auch ein paar EQJler, also Jugendliche, die von der Arbeitsagentur in ein Praktikum vermittelt wurden. Die Arbeitsagentur trug dabei den Lohn in Höhe von knapp 200 Euro monatlich. Langfristig sollen die Jugendlichen in eine Ausbildung übernommen werden. Es verwundert wohl keinen, wenn ich sage, daß nicht ein einziger einen Ausbildungsvertrag bekommen hat…

Der Hartz-IV-Empfänger steht in den Medien immer im Fokus. Die zahlreichen ausbeuterischen Unternehmen, Behörden und Einrichtungen (und dazu zähle ich auch die 1-Euro-Job-Vergeber), straft die Öffentlichkeit selten ab. Dabei sind die die wahren Sozialschmarotzer, die sich Arbeitskraft auf Kosten der Steuerzahler finanzieren lassen.

Die Zahl der Voll- und Teilzeitarbeitnehmer mit zusätzlichen Hartz-IV-Bezügen zur Sicherung des Existenzminimums, die sogenannten Aufstocker, stieg 2008 weiter, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Daten der Bundesagentur für Arbeit (BA).

Das schreibt Spiegel online. Keine Überraschung, finde ich. Es wurde ja lange genug der öffentliche Druck so aufgebaut, daß man als Hartz-IV-Empfänger nur noch Scham und Schuld empfindet. Da versucht man alles, um diese Schande zu verdecken. Hauptsache Beschäftigung! Und das wissen auch die ausbeuterischen Unternehmer.

Eigentlich hätte es weniger Aufstocker geben müssen, weil die Wirtschaft zu dieser Zeit floriert habe, der Bedarf an Arbeitskräften gestiegen und zugleich die Zahl der hilfebedürftigen Menschen im erwerbsfähigen Alter deutlich zurückgegangen sei. Das Gegenteil sei aber der Fall, erklärte der Experte.

Eigentlich hätten auch die Arbeitnehmer ohne zusätzliche Grundsicherung von der florierenden Wirtschaft profitieren müssen. Aber auch das ist ja nicht passiert. Warum sollten dann ausgerechnet die Schwächsten etwas davon haben? Hat die Wirtschaft am Ende vielleicht auch deshalb floriert, WEIL sie von ausbeuterischer Arbeit und mangelnder Lohnanpassung profitiert hat?