Schlechte Welt


Morgens, so wie heute, sitze ich meistens mit der Kaffeetasse in der Hand vor dem Rechner und durchblättere meinen Feedreader. Ich habe einige sehr trashige Feeds abonniert, der schlimmste und trashigste aber ist der von Welt online. Ich rege mich gerne auf und habe wohl auch masochistische Züge. Vielleicht will ich die Welt aber im wahrsten Sinne nur so sehen, wie sie auch wirklich ist: Verdammt oberflächlich.

Noch schlimmer als die Artikel auf Welt online sind übrigens die dortigen (Leser-)Kommentare. Man sieht in den Anmerkungen die Ergüsse des widerwärtigen selbstgerechten Beamtenschleim, des diplomierten Handwerker, des in tradierten Rollenmustern verhafteten Selbstbejammerer, des dünkelhaften Bankangestellten, der Intellektualität, oder, schlimmer noch, Wetigkeit mit Statussymbolen und finanzieller Kaufkraft definiert,  man liest die stets konformen Kommentare der prostituierten Hausfrau, die ihre Qualitäten an den finanzstärksten Bewerber verkauft hat und dadurch das vermeintlich Recht erworben hat, auf andere herabzuzehen. Kurz gesagt, man findet unter den schreibenden Lesern überwiegend das Kroppzeug der FDP.

Kein Wunder, dass auch die bezahlten Kommentatoren nicht mit geistiger Tiefe glänzen können:

 

Endlich: Sprachrationalisierung setzt sich durch!


Die Deutsche Sprache ist bekannt für monströse Wortkonstrukte wie z.B. Bezirksschornsteinfeger oder gar Betäubungsmittelverschreibungsverordnung. Die Verwendung solch langer Sprachgebilde erfordert Konzentration und verbraucht vorallem wertvolle Zeit. Auf Bestreben der Bundesregierung legten Experten nun eine Studie vor, die die dramatischen Auswirkungen der Sprache auf die Wirtschaftsleistung belegt. Gerade in Zeiten der globalen Finanzkrise müsse Deutschland verstärkt die Rationalisierung der Landessprache vorantreiben, lautet das erschreckende Fazit.

Redaktionen großer Tageszeitungen sind bereits vereinzelt auf die Forderung nach mehr Spracheffizienz und Vermeidung unnötiger Wortsilben eingegangen. So erwies sich Die Zeit online kürzlich als Vorreiter in Sachen wirtschaftlicher Sprachanpassung:

ministerDie Bundeskanz äußerte sich diesbezüglich übrigens, ebenso wie der Wirtschaftsmist, lobend. Stellungnahme gratulierte Zeit und Interview sagte: Laut Expertenanal spart Zeit damit nicht nur Zeit, sondern auch Kost. Davon prof letzt auch Les.

Ich kapier‘ den Witz nicht


Vielleicht kann ihn mir ja ein Hamburger erklären. Sofern das ein Witz/Wortspiel sein soll.

Also, die Sache ist so: Jeden Arbeitstag fahre ich auf dem Nachhauseweg mit der S-Bahn auch die Station Wilhelmsburg an. Schräg gegenüber befindet sich eine Betonbrücke, auf die ein kreativer Kopf folgendes gesprüht hat:

WILHAMFBURG

Unbedarft wie ich als bayrisches Landei nun einmal bin, dachte ich, da wollte jemand womöglich die Leidenschaft eines Stadtteils zu bestimmten Rauchwaren verbal darstellen. Nun ja. Immerhin gelang es dem unbekannten Künstler, eine latente Orthographieschwäche liebevoll vorzuführen. Vielleicht ist es aber auch eine kritische künstlerische Auseinandersetzung mit der Verführung durch Drogen und ihre Folgen. Oder es wurden Riesenschablonen verwendet und – scheiße – das N vergessen. Joah, nimmt man halt ein M, hört sich fast richtig an.

Nun möchte ich allerdings als Nicht-Hamburgerin nicht in irgendein Fettnäpfchen treten und den/das hier womöglich wohlbekannte und geliebte HAMF ableugnen. Wir hatten ja schon die Hamburger Tee-Plantagen. Kann ja sein, daß Wilhelmsburg für seine Hamf-Plantagen berühmt ist?

Vielleicht mag mir eine(r) das erklären…

Dem Satz seine Grammatik


Einfach eine schöne Stilblüte:

Germaine Dupri (36) (Janet ihr Lover) hat in seinem Blog nun bekannt gegeben das die Gerüchte um Janet ihre Schwangerschaft erfunden sind.
Quelle

Ernst, Absicht, Sadismus? Das weiß wohl nur der Autor. 😉

GM, HDGDL, LG.


Den HDL-Song kennt mittlerweile die gesamte Blogosphäre. Ich poste das Video daher nicht. Für die, die ihn noch nicht gehört haben, hier der Link.

Früher stand an den Telefonzellen „Fasse Dich kurz!“. Was heutzutage werbetechnisch eher kontraproduktiv klingt, hatte damals den Hintergrund, vielen Menschen das Telefonieren zu ermöglichen. Hausanschlüsse waren die Ausnahme, öffentliche Telefonzellen die Regel. Es bildeten sich Schlangen vor den kleinen gelben Häuschen. Lange zu quasseln war daher einfach tabu.

Auf die Idee kamen ohnehin nur die Wenigsten, schließlich kostete das Telefonieren viel Geld.

Irgendwann, von den eckigen Telefonbuden über die knubbelig runden und schließlich magentafarbenen bis hin zu den nackten, lediglich überdachten Phone Stations, gab es dann den Trend, Telefone klein, handlich und tragbar zu machen. Weil mitführbares Telefon oder Mobiltelefon doof, unmodern und so deutsch klang, nannte man die Dinger Handys.

Und mit den Handys kamen die SMS. SMS ist nichts anderes als die „Fasse Dich kurz!“-Version der Neuzeit. Anfangs waren SMS auch noch eine teure Angelegenheit und dann noch die nervige Tipperei mit lediglich 10 Tasten – zu viel Aufwand für eine faule Spezies wie den Menschen.
Um Geld, Platz und Kalorien zu sparen ließ man sich nun allerlei Abkürzungen einfallen. Und so wurde aus dem Satz, über den die schönsten, ausschweifendsten Verse und ganze Bücherbände geschrieben wurden, ein schlichtes und schnödes HDL.

Wie das so ist mit der Sprachentwicklung – was täglich gebraucht und verwendet wird, das findet Eingang in die Sprache und wird zur Gewohnheit.

Und so kam es, daß mein Schwager eines Morgens nach dem Aufwachen einen kleinen handgeschriebenen Zettel neben dem Bett fand, auf dem folgendes stand:

GM,
bin in Uni.
LG, xxx.

Mein Schwager, kein Einheimischer, kein Deutscher, aber der Sprache doch mächtig, rätselte nun, was die kryptischen Buchstaben zu bedeuten hatten.

Schließlich, nach langem Grübeln, kam er darauf:

Wie konnte er nur so blind sein! Dabei war doch völlig klar, was GM bedeuten musste! GM, das konnte nur für geliebter Mann stehen! Und LG, völlig klar, hieß nichts anderes als lebe gut.

Abkürzungen liegen übrigens der Familie meiner Schwester. Der dreijährige Sohn schrieb kürzlich mit Magneten folgendes auf die Kühlschranktür:

KE4.

Damit ist wohl alles gesagt. 🙂

Simple Sprachrevolution


Die Sprachevolution schreitet voran. Haben wir schon das Dativ-E verloren (wie sag ich’s dem KindE) und den Genitiv sterben lassen (das Haus vom Vater oder gar dem Vater sein Haus), werden jetzt auch Akkusativ-Endungen verschliffen. „Magst Du mein Hamster sehen?“ Man könnte doch eigentlich gleich auf alles verzichten und Wörter in ihrer schönsten Reinform verwenden:

Sprachrevolution schreiten voran. Verloren Dativ-E und lassen sterben Genitiv, verschleifen jetzt auch Akkusativ-Endung.Können verzichten auf alles!