Nachtrag zum Fall Mannichl


Es ist schon eine Weile her, da habe ich mich recht aufgeregt, weil bzgl. des Falls Mannichl medienwirksam rumspekuliert wurde, ohne zu hinterfragen und vorallem ohne Faktenkenntnis.

Und heute lese ich auf taz.de:

„Weil die Erfolge ausblieben, übernahm zum Jahreswechsel das bayerische Landeskriminalamt (LKA) die Ermittlungen. Ergebnisse gab es keine. Dafür immer wildere Spekulationen. Es habe sich um eine Beziehungstat gehandelt, hieß es auch aus Polizeikreisen. Die Medien begannen, an Mannichls Version zu zweifeln. Als sich der Polizeichef in Interviews gegen die Vorwürfe wehrte, verordnete ihm der bayerische Innenminister Joachim Herrmann ein Redeverbot. Jetzt steht fest: an den wilden Spekulationen war nichts dran.“ (Quelle)

Eine schöne Zeit muß die Familie Mannichl da durchgemacht haben.

Vorteilsnahme bei der Bahn: Zugverweisung Minderjähriger geklärt!


Ich glaube ja, daß das neumodische Kinderwerfen aus öffentlichen Verkehrsmitteln vom ultimativ Bösen gesponsert wird. Also von Jamba.

Im jüngsten Fall flog ein 11-jähriger aus einem Bus, weil er seine Fahrkarte vergessen hatte. Tja, zur Strafe für diese Ungehörigkeit durfte er nach Hause laufen. Und zwar eine Strecke von 9 km.

Jetzt kann man sich natürlich denken, daß sich Eltern da schon ein wenig Gedanken machen, wenn ihr Nachwuchs, ohne Geld und womöglich Ortskenntnisse, allein, vielleicht sogar in der Dunkelheit, in der Gegend rumstapft. Glaubt man den Medien, lauert außerdem hinter jedem Baum ein Kinderschänder und das steigert das Unbehagen verständlicherweise noch mehr.

Tatsächlich ist das Kinderaussetzen durch Personal des ÖPNV kein Zufall und beruht auch nicht auf Inkompetenz, Dummheit oder gar Menschenverachtung. Nein, Vorteilsnahme ist das Zauberwort!

Das Ganze läuft nach meiner Theorie so ab:

Im ersten Schritt werden den ahnungslosen Kindern von professionell dressierten Affen, die perfekt getarnt von einem durchschnittlichen Langfinger kaum zu unterscheiden sind, ihre Bus- oder Bahnfahrkarten sowie sämtliches Bargeld, das sie bei sich tragen, entwendet.  Die Daten auf den Karten werden gesammelt und im Bundle weiterverkauft (via Mail z.B.):

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Das gestohlene Bargeld wird selbstverständlich dazu verwendet, die Affen zu unterhalten.

Im zweiten Schritt werden Streckenbeobachtungen vorgenommen, um herauszufinden, wann welche Linien besonders häufig von Kindern benutzt werden. Vorgezogen werden dabei längere Strecken durch unheimliche, einsame Gebiete und spätere Tageszeiten.

Alsdann werden gezielt Kontrolleure in die Verkehrsmittel plaziert, die diese Strecken befahren. Ihre Aufgabe besteht nun darin, möglichst viele Kinder ausfindig zu machen, die zuvor von den dressierten Affen bestohlen wurden oder aus eigener Dusseligkeit ohne Fahrkarte unterwegs sind.

Ohne gültigem Fahrausweis bedeutet übrigens:

  • ungültiger Fahrausweis
  • Fahrausweis, in dem das Foto älter als einen Monat ist
  • Fahrausweis, in dem der Kontrolleur den eingedruckten Namen nicht richtig aussprechen kann
  • Fahrausweis, der nicht ordnungsgemäß in einem Plastikschuber steckt
  • vergilbter Fahrausweis
  • Fahrausweis mit unleserlichen Unterschrift
  • Fahrausweis, dessen Gültigkeit man nicht mit einem mitgeführtem Personalausweis, alternativ Führerschein Klasse D belegen kann.

Nach der Kontrolle verweist der Schaffner das Kind des Zuges ohne sich von Weinen, Betteln, Argumentationen, Gesetzeslage oder gar von Mitreisenden beeindrucken zu lassen.

Umgehend werden die Medien informiert und mit haarsträubenden Details, Augenzeugenberichten und Dramatik versorgt („6-jähriges Mädchen mußte 20kg-Akkordeon 15km nachts durch düsteren Wald barfuß im Schneesturm nach Hause tragen“).

Gleichzeitig wird vermehrt Werbung für Mobiltelefone gemacht. Besorgte Eltern kaufen nun sofort Blackberries, Walkman-Handies und Googletelefone mit GPS-Ortung und Notruftaste für ihr 8-jähriges Kind.

Und wer profitiert am meisten davon? Genau! Jamba.

Abgesehen davon erklärt diese Theorie natürlich auch die Überprüfung von 173.000 Angestelltendaten der Deutschen Bahn.

Der mysteriöse Fall Mannichl?


In den letzten Tagen ist in der Presse stets von Zweifel in Verbindung mit dem Attentat auf Polizeichef Mannichl zu lesen. Noch hält man sich mit Spekulationen zurück, aber schon bald wird wenigsten SPON auf den Springerzug aufhüpfen und öffentlich die Glaubwürdigkeit des Passauer Polizeichefs zerlegen.

Wie schrecklich wäre das, sollte Herr Mannichl die Wahrheit gesagt haben und nun glaubt ihm keiner. Ein bißchen wie hier. Ein bißchen wie bei Hitchcock.

Aber zugeben muß man ja schon, bereits der Tathergang hört sich recht merkwürdig an, oder?

Der Täter, ein ungewöhnlich großer Mann, klingelt an der Tür des Polizeichefs, sagt irgendeinen rechtsradikalen Schwachsinn und sticht sofort zu. Und zwar mit einem Messer, das Mannichl gehört und auf dessem Fensterbrett lag.

Die Sache mit dem Messer fand ich von Beginn an sehr merkwürdig. Angeblich lag es auf dem Fensterbrett, damit Lebkuchen damit abgeschnitten werden konnte. Das lag deshalb da, so heißt es, weil es nach einem Fest mit den Nachbarn wohl nicht aufgeräumt wurde.

Schon merkwürdig. Woher wusste das der Täter? Wenn er mit Tötungsvorsatz oder dem Vorsatz, ihn mit einer Waffe zu verletzen, zum Herrn Mannichl kam, dann hätte er auch eine Waffe bei sich getragen. Weshalb also hat er das Messer auf dem Fensterbrett genommen? Das ließe ja eher auf eine Affekttat schließen. Aber was wollte der Täter dann?

Skeptisch stimmt auch, daß auf dem Messer keine Fremd-DNA bzw. Handschuh- oder Wischspuren gefunden wurden. Das kann ja eigentlich nur bedeuten, der Täter hat die Waffe per Telekinese in den Bauch von Herrn Mannichl befördert. Und warum kann der wiederum – als geschulter Polizist – keine einwandfreie Täterbeschreibung abliefern, während eine Frau aus der Nachbarschaft einen Typen mit einer geradezu ins Auge springenden Gesichtstätowierung gesehen haben will?

Fragen über Fragen. Aber so unerklärlich, wie einem die Medien das weismachen wollen, ist das alles nicht.

  • Daß das Messer auf dem Fensterbrett lag, ist nicht wirklich mysteriös, sondern deutet allenfalls auf eine nicht gerade ordnungsfanatische Familie Mannichl hin (oder eine vergessliche).
  • Daß der Täter dieses Messer nahm, könnte mehrere Ursachen haben: Vielleicht wollte er den Polizeichef nur niederschlagen. Dann sah er das Messer und änderte seine Meinung. Vielleicht kam er tatsächlich mit Tötungsvorsatz und hatte bspw. eine Schußwaffe bei sich. Das Messer kam ihm aber gelegener, weil es weniger aufsehenserregend ist. Womöglich fand er, es könnte eine Drohung, die er im Sinn hatte, besser unterstreichen? Vielleicht hat er es auch zur eigenen Verteidigung eingesteckt. Schließlich ist der Herr Mannichl Polizist und kann sich notfalls wehren.
  • Daß der Täter das Messer nicht mitgenommen hat, liegt vielleicht daran, daß er es nicht wieder aus Herrn Mannichl rausziehen wollte oder konnte (wer mit einem Küchenmesser schonmal ein Huhn zerteilen wollte, kann nachvollziehen, daß das leicht steckenbleibt). Das spricht im übrigen auch gegen den Tötungsvorsatz, eher für eine eskalierte Körperverletzung. Will man jemanden mit einem Messer absolut sicher killen, sticht man mehrmals zu. Abgesehen davon hatte der Täter es sicherlich eilig und wollte vom Tatort weg. Und nicht zu vergessen: Ein Gewalttäter muß nicht intelligent sein.
  • Zu den mangelnden Spuren auf dem Messer: Die SZ spricht davon, es gäbe nur private DNS-Spuren. Zitiert dann aber den Oberstaatsanwalt mit folgender Aussage: „Eine Fremdspur wurde bisher nicht eindeutig isoliert.“ Das heißt erst einmal nur, daß noch nichts gefunden wurde. Vielleicht hat Herr Mannichl die Spuren auch selbst versehentlich zerstört, als er das Messer rausgezogen hat oder es versuchte? Vielleicht ein Sanitäter? Was genau mit dem Messer während und nach der Tat passierte, darüber gibt die Presse keine Auskunft. Insofern lässt sich das mangels Information überhaupt nicht beurteilen. Und was bedeutet das eigentlich, daß keine „Fremd-„spuren gefunden wurden? Haben die die Fingerabdrücke sämtlicher Nachbarn genommen und abgeglichen? Auch das wissen wir nicht. Wenn dem nicht so ist, dann können nicht gefundene Fremdspuren doch nur bedeuten, daß kein Fingerabdruck gefunden wurde, den die Polizei schon einmal im Rahmen von Ermittlungen erfasst hat. Und soweit ich weiß, ist nicht jedes Mitglied der rechtsradikalen Szene erkennungsdienstlich erfaßt… Abgesehen davon kann es sich auch um einen Trittbrettfahrer handeln, also um irgendjemanden, der noch eine Rechnung offen hatte und auf den rechtsradikalen Zug aufsprang.
  • Zum mangelnden Erinnerungsvermögen: Also, das ist schon verwerflich, wenn sich ein Opfer, das an der eigenen Haustür überrumpelt und niedergestochen wird, nicht haargenau an den Täter erinnern kann… Ich finde das kein bißchen merkwürdig, sondern zutiefst normal. Abgesehen davon wissen wir wieder einmal nichts über die Lichtverhältnisse. Und Dialekt, Größe und daß der Täter keine Haare hat, das hat Herr Mannichl beobachten können. Das ist doch schon eine ganze Menge. Viele wissen nach Jahren nicht einmal, welche Augenfarbe ihr Lebenspartner hat.
  • Zur Spekulation, es handle sich um eine Beziehungstat, sprich, der Täter käme aus dem privaten Umfeld: Herr Mannichl hätte sich in diesem Fall ja den Tathergang ausgedacht, um womöglich jemanden zu schützen. Hätte er dann nicht, der erfahrene Polizist, eine Geschichte erzählt, die im wahrsten Sinne stichfester ist? Warum dann z.B. die Aussage, der Täter sei ein ungewöhnlich großer Mann gewesen? Mit seiner Erfahrung hätte er doch sicher eine eher sehr gewöhnliche Beschreibung abgegeben?

Als Fazit bleibt nur zu sagen: Man kann in beide Richtungen spekulieren. Aus gutem Grund wissen wir nicht jedes Detail. Dann aber gleich ein mutmaßliches Opfer einer Gewalttat zu demontieren, so wie es jetzt in den Medien der Fall ist, ist nicht nur oberflächlich, sondern auch, sollte sich Herrn Mannichls Geschichte als wahr erweisen, grausam und grenzt an Rufmord. Man denke an den Fall Maddy McCann.

Wir bekommen Häppchen serviert, hinter denen eine subjektive, oft auch öffentlichkeitswirksame Meinung steckt, keine harten Fakten. Ich habe eben das gleiche getan – nur in eine andere Richtung. Woran man sehen kann, wie leicht eine Manipulaiton möglich ist. Dabei wäre Skepsis – in jeder Hinsicht – gerade auch gegenüber den Medien weit mehr angebracht.

Denkanstoß kam von hier.