Lustiges Schlagzeilenraten (2)


Beim letzten Schlagzeilenraten stellte ich die Frage, welches Onlinemedium für folgenden journalistischen Hochwurf verantwortlich sei: Die zehn frechsten Nummernschilddeutungen. Und die Mehrheit hat ganz richtig getippt! Natürlich konnte dieser Titel so nur im Nachrichtenmagazin Spiegel online erscheinen!

Und wie tippt der geneigte Leser dieses Mal? Man darf gespannt sein. (Cheaten ist übrigens doof. Schließlich geht es nicht um Wissen, sondern rein um das Gefühl.)

Zu welcher Zeitung/Zeitschrift (in ihrer Online-Version) gehört folgende Schlagzeile?

Erklärung für mysteriöses Erscheinung über Norddeutschland!


Gruselig! Ein unbekanntes Objekt erhellte am Samstagabend den Himmel über Norddeutschland, war sogar in Dänemark und Südschweden zu sehen! Augenzeugen hörten ein unheimliches Grollen und spürten einen Druck auf der Brust.

Die Tagesschauf hat nun eine Erklärung des mysteriösen Phänomens in meinen Feedreader eingespeist. Überraschend hat sich geklärt, daß es sich bei der unheimlichen Erscheinung NICHT um ein unbekanntes Objekt gehandelt hat und die Erscheinung auch nicht, wie zunächst gedacht, nur auf NORDdeutschland beschränkt war! Aber seht selbst:

lichtblitz

Der mysteriöse Fall Mannichl?


In den letzten Tagen ist in der Presse stets von Zweifel in Verbindung mit dem Attentat auf Polizeichef Mannichl zu lesen. Noch hält man sich mit Spekulationen zurück, aber schon bald wird wenigsten SPON auf den Springerzug aufhüpfen und öffentlich die Glaubwürdigkeit des Passauer Polizeichefs zerlegen.

Wie schrecklich wäre das, sollte Herr Mannichl die Wahrheit gesagt haben und nun glaubt ihm keiner. Ein bißchen wie hier. Ein bißchen wie bei Hitchcock.

Aber zugeben muß man ja schon, bereits der Tathergang hört sich recht merkwürdig an, oder?

Der Täter, ein ungewöhnlich großer Mann, klingelt an der Tür des Polizeichefs, sagt irgendeinen rechtsradikalen Schwachsinn und sticht sofort zu. Und zwar mit einem Messer, das Mannichl gehört und auf dessem Fensterbrett lag.

Die Sache mit dem Messer fand ich von Beginn an sehr merkwürdig. Angeblich lag es auf dem Fensterbrett, damit Lebkuchen damit abgeschnitten werden konnte. Das lag deshalb da, so heißt es, weil es nach einem Fest mit den Nachbarn wohl nicht aufgeräumt wurde.

Schon merkwürdig. Woher wusste das der Täter? Wenn er mit Tötungsvorsatz oder dem Vorsatz, ihn mit einer Waffe zu verletzen, zum Herrn Mannichl kam, dann hätte er auch eine Waffe bei sich getragen. Weshalb also hat er das Messer auf dem Fensterbrett genommen? Das ließe ja eher auf eine Affekttat schließen. Aber was wollte der Täter dann?

Skeptisch stimmt auch, daß auf dem Messer keine Fremd-DNA bzw. Handschuh- oder Wischspuren gefunden wurden. Das kann ja eigentlich nur bedeuten, der Täter hat die Waffe per Telekinese in den Bauch von Herrn Mannichl befördert. Und warum kann der wiederum – als geschulter Polizist – keine einwandfreie Täterbeschreibung abliefern, während eine Frau aus der Nachbarschaft einen Typen mit einer geradezu ins Auge springenden Gesichtstätowierung gesehen haben will?

Fragen über Fragen. Aber so unerklärlich, wie einem die Medien das weismachen wollen, ist das alles nicht.

  • Daß das Messer auf dem Fensterbrett lag, ist nicht wirklich mysteriös, sondern deutet allenfalls auf eine nicht gerade ordnungsfanatische Familie Mannichl hin (oder eine vergessliche).
  • Daß der Täter dieses Messer nahm, könnte mehrere Ursachen haben: Vielleicht wollte er den Polizeichef nur niederschlagen. Dann sah er das Messer und änderte seine Meinung. Vielleicht kam er tatsächlich mit Tötungsvorsatz und hatte bspw. eine Schußwaffe bei sich. Das Messer kam ihm aber gelegener, weil es weniger aufsehenserregend ist. Womöglich fand er, es könnte eine Drohung, die er im Sinn hatte, besser unterstreichen? Vielleicht hat er es auch zur eigenen Verteidigung eingesteckt. Schließlich ist der Herr Mannichl Polizist und kann sich notfalls wehren.
  • Daß der Täter das Messer nicht mitgenommen hat, liegt vielleicht daran, daß er es nicht wieder aus Herrn Mannichl rausziehen wollte oder konnte (wer mit einem Küchenmesser schonmal ein Huhn zerteilen wollte, kann nachvollziehen, daß das leicht steckenbleibt). Das spricht im übrigen auch gegen den Tötungsvorsatz, eher für eine eskalierte Körperverletzung. Will man jemanden mit einem Messer absolut sicher killen, sticht man mehrmals zu. Abgesehen davon hatte der Täter es sicherlich eilig und wollte vom Tatort weg. Und nicht zu vergessen: Ein Gewalttäter muß nicht intelligent sein.
  • Zu den mangelnden Spuren auf dem Messer: Die SZ spricht davon, es gäbe nur private DNS-Spuren. Zitiert dann aber den Oberstaatsanwalt mit folgender Aussage: „Eine Fremdspur wurde bisher nicht eindeutig isoliert.“ Das heißt erst einmal nur, daß noch nichts gefunden wurde. Vielleicht hat Herr Mannichl die Spuren auch selbst versehentlich zerstört, als er das Messer rausgezogen hat oder es versuchte? Vielleicht ein Sanitäter? Was genau mit dem Messer während und nach der Tat passierte, darüber gibt die Presse keine Auskunft. Insofern lässt sich das mangels Information überhaupt nicht beurteilen. Und was bedeutet das eigentlich, daß keine „Fremd-„spuren gefunden wurden? Haben die die Fingerabdrücke sämtlicher Nachbarn genommen und abgeglichen? Auch das wissen wir nicht. Wenn dem nicht so ist, dann können nicht gefundene Fremdspuren doch nur bedeuten, daß kein Fingerabdruck gefunden wurde, den die Polizei schon einmal im Rahmen von Ermittlungen erfasst hat. Und soweit ich weiß, ist nicht jedes Mitglied der rechtsradikalen Szene erkennungsdienstlich erfaßt… Abgesehen davon kann es sich auch um einen Trittbrettfahrer handeln, also um irgendjemanden, der noch eine Rechnung offen hatte und auf den rechtsradikalen Zug aufsprang.
  • Zum mangelnden Erinnerungsvermögen: Also, das ist schon verwerflich, wenn sich ein Opfer, das an der eigenen Haustür überrumpelt und niedergestochen wird, nicht haargenau an den Täter erinnern kann… Ich finde das kein bißchen merkwürdig, sondern zutiefst normal. Abgesehen davon wissen wir wieder einmal nichts über die Lichtverhältnisse. Und Dialekt, Größe und daß der Täter keine Haare hat, das hat Herr Mannichl beobachten können. Das ist doch schon eine ganze Menge. Viele wissen nach Jahren nicht einmal, welche Augenfarbe ihr Lebenspartner hat.
  • Zur Spekulation, es handle sich um eine Beziehungstat, sprich, der Täter käme aus dem privaten Umfeld: Herr Mannichl hätte sich in diesem Fall ja den Tathergang ausgedacht, um womöglich jemanden zu schützen. Hätte er dann nicht, der erfahrene Polizist, eine Geschichte erzählt, die im wahrsten Sinne stichfester ist? Warum dann z.B. die Aussage, der Täter sei ein ungewöhnlich großer Mann gewesen? Mit seiner Erfahrung hätte er doch sicher eine eher sehr gewöhnliche Beschreibung abgegeben?

Als Fazit bleibt nur zu sagen: Man kann in beide Richtungen spekulieren. Aus gutem Grund wissen wir nicht jedes Detail. Dann aber gleich ein mutmaßliches Opfer einer Gewalttat zu demontieren, so wie es jetzt in den Medien der Fall ist, ist nicht nur oberflächlich, sondern auch, sollte sich Herrn Mannichls Geschichte als wahr erweisen, grausam und grenzt an Rufmord. Man denke an den Fall Maddy McCann.

Wir bekommen Häppchen serviert, hinter denen eine subjektive, oft auch öffentlichkeitswirksame Meinung steckt, keine harten Fakten. Ich habe eben das gleiche getan – nur in eine andere Richtung. Woran man sehen kann, wie leicht eine Manipulaiton möglich ist. Dabei wäre Skepsis – in jeder Hinsicht – gerade auch gegenüber den Medien weit mehr angebracht.

Denkanstoß kam von hier.

Lustiges Schlagzeilenraten (1)


In loser Reihenfolge stelle ich hier Schlagzeilen vor und bitte meine geneigten 2 bis 3 Leser, darüber zu befinden, welche Redaktion sich mit solch Einfallsreichtum auszeichnete.

Zu welcher Zeitung/Zeitschrift (in ihrer Online-Version) gehört folgende Schlagzeile?

Immer Ärger mit Galileo


Dachte sich vermutlich auch der Vatikan. Gemeint ist hier aber das von Pro7 so bezeichnete Wissensmagazin. Diese Betitelung allein ist schon der pure Hohn, noch schwerer wiegt allerdings, daß eine Boulevardsendung, die größtenteils einen adipösen Nahrungsverwerter auf Weltreise schickt, um nach XXL-Mahlzeiten Ausschau zu halten, nach einem so bekannten, berühmten und bewundernswerten Menschen benannt ist.

Aber der kann sich ja nicht mehr wehren und muß nun damit klarkommen, daß in seinem Namen Halbwahrheiten und viel, viel Werbung verbreitet werden. Ich hoffe nur, daß niemals das (von mir so bezeichnete) Big-Brother-Phänomen eintritt: Jugendliche, die man nach der Bezeichnung Big Brother fragt, denken, man hätte sich den Namen für die Sendung ausgedacht. Der Ursprung ist ihnen nicht (mehr) geläufig.

Besonders interessant fand ich die Galileo-Montagssendung. Da rollte ein Auto eine mysteriöse Straße bergauf! Oh mein Gott, womöglich Spuk? Außerirdische? Oder – wie Galileo (das Magazin) spekulierte – Magnetismus, vielleicht sogar ein Schwerkraftproblem?

Der ganze Beitrag wurde unendlich aufgebläht und absolut aberwitzig und effekthascherisch ausgeschmückt.

Als das „Rätsel“ endlich gelöst wurde (irreführende Kameraperspektive), ging es gleich weiter mit einem wesentlich interessanteren Thema. Schließlich ist die Bezeichnung „Wissensmagazin“ Programm und man ist ihr verpflichtet. Und so handelte der Beitrag vom richtigen Bescheißen bei Klassenarbeiten. Yeah, das ist unser Akademikernachwuchs. Der muß nur lernen, wie man richtig spickt und betrügt.

Ich finde das schlicht unverantwortlich.

Worum es wohl heute bei Galileo gehen wird? Das größte Würstchen der Welt? Welche Kaffeemaschine ist am besten? Der große Hellsehertest? Gibt es tatsächlich Außerirdische? Und sind Kobolde nur ein Mythos?