Alle Hamburger sind faul und stinken nach Fisch


Man begegnet im Leben einigen Menschen, die man mag, vielen, die man nicht mag und ganz, ganz vielen, die einem ziemlich gleichgültig sind.

Mein Leben verlief bisher sehr ruhig und unspektakulär. Und so ist es nicht verwunderlich, dass ich auch eher ruhige und unspektakuläre Kontakte pflege. Der Männer- und Frauenanteil dürfte sich in meinem Freundes-, Feindes-, Kollegen- und Bekanntenkreis in seiner Gesamtheit etwa die Waage halten, der Ausländeranteil beträgt um die 25%.

Von diesen 25% sind bestenfalls 5% Moslems.

Von diesen 5% hat mich einer wirklich schäbig behandelt. Er war mein Chef und es wäre absurd zu behaupten, sein Arschlochtum hätte mit seiner Religion zu tun.

Eine muslimische Freundin ging mit mir zur Schule und gehörte zur Elite (und das auf einem Elitegymnasium, quasi Elite der Elite!). Meine muslimischen Nachbarn brachten uns zu Ramadan und zu persönlichen Festtagen Süßigkeiten oder einen Teller voll Fingerfood. Ein türkischer Freund reparierte mein Auto und verlangte kaum was dafür.

Frozan, eine iranische Kommilitonin hatte wunderschöne Haare, die sie stolz in atemberaubenden Flechtfrisuren präsentierte. Serol war mein liebster Angestellter, mit dem wir gerne einen Cocktail tranken und Selim hörte in der WG zwar manchmal zu laut Musik, war ansonsten aber ein witziger und hilfbereiter Mensch mit häufigem Liebeskummer.

Ich wohnte zu Beginn meines Studiums in einem Ghetto, das als sozialer Brennpunkt mit hohem Ausländeranteil gebrandmarkt war. Nie wurde ich behelligt. Meine Schwester bezog nach der Geburt des ersten Kindes eine Wohnung im angeblich schlimmsten mordorianischen Viertel mit hohem Ausländeranteil. Sie wurde nie behelligt.

In Mannheim (auch Mordor) gibt es zahlreiche Plätze, da dürfte der Anteil der Nichtimmigranten bei 10% liegen. Man kann dort leckeres türkisches Gebäck kaufen oder einen Moscheewecker erstehen. Komisch? Warum?

Hätte ich also niemals Zeitung gelesen, niemals Fernsehen geguckt oder Radio gehört, hätte ich niemals den angstbeladenen Konservativen zugehört, ich würde gar nicht verstehen, wovon Herr Sarrazin in seinem Interview gesprochen hat und weshalb ihm so viele offen und insgeheim zujubeln.  Ich würde ratlos die Augenbraue zusammenziehen und gründlich überlegen…

Ich habe aber Zeitung gelesen, Fernseh geguckt, Radio gehört und – weiß Gott – ich habe mit angstbeladenen Konservativen gesprochen. Und so bemerke ich einen ganz unschönen Zug an mir: Wenn ich eine schwangere Türkin mit Kopftuch sehe, denke ich: „So klar. Die vermehren sich echt wie die Hasen.“ Lese ich von einem Überfall, denke ich sofort: „War bestimmt wieder einer von denen mit Migrationshintergrund.“ Sehe ich in der S-Bahn ausgelassene türkische Jugendliche, denke ich: „Bestimmt arbeitslose Krawallmacher.“ Und wenn sich zwei Jungs in gebrochenem Deutsch unterhalten, brauche ich sie gar nicht zu sehen, um zu denken: „Typisch. Sind hier aufgewachsen und können nicht mal richtig Deutsch.“

Ich denke das, obwohl ich NIE schlechte Erfahrungen in diese Richtung gemacht habe oder auch nur eines der Vorurteile bestätigen könnte.

Ja, es gibt sicherlich kriminelle Ausländer, radikale Moslems, arbeitslose Türken, fiese Araber. Es gibt schlimmste Brennpunkte und Immigranten, die man als „integrationsunwillig“ bezeichnen kann. Es gibt auch betrügerische deutsche Banker, verlogene deutsche Politiker, aggressive deutsche Jugendliche, verwahlloste deutsche Kinder und verantwortungslose deutsche Erwachsene.

Das alles gibt es. Man kann auf diese Menschen schimpfen und ihnen die Schuld für alles geben.

Man kann sich aber auch fragen, warum das so ist und welchen Anteil man selbst an dieser Entwicklung hat.

Warum Piraten keine Frauen haben


Seit geraumer Zeit schon verfolge ich die Entwicklung der Piratenpartei.  Mein Interesse und meine Sympathie kann man sicher aus einzelnen Artikeln herauslesen, die hier erschienen sind. Doch ich bin kein Mitglied. Noch nicht jedenfalls. Dabei werde gerade ich, wenn man den Medien Glauben schenken darf, von den Piraten gesucht. Denn ich bin eine Frau, und Frauen fehlen offensichtlich dieser Männerpartei.

Fehlen den Piraten tatsächlich die Frauen?

Zunächst einmal haben sich die Medien schnell auf den Durschnittspiraten eingeschossen: Computerfreak, Single, Pferdeschwanz, schwarze Kleidung, zwischen 18 und 35 und natürlich männlich. Eine Nerdin gibt es nicht. Nerds, die ja laut Vorstellung der Medien den Löwenanteil der Mitglieder ausmachen, sind Kerle (die aber natürlich auch nur deshalb im Internet rumhängen, weil sie keine Frau abkriegen).

Ich kann diesen Eindruck so nicht bestätigen. Weder von den Stimmen der Piraten und -sympathisanten im Netz, noch von den Teilnehmern an der Demo (auch nicht alle Mitglieder der Partei, aber ihr sicherlich nahestehend). Im Netz stoße ich, manchmal sogar zufällig, auf Piratinnen. In der Presse lese ich im Zusammenhang mit der Partei häufig weibliche Namen und ich sehe Sprecherinnen im Fernsehen. Auch die Bilder vom Parteitag, die das Reizzentrum (Parteimitglied und über 40, Vater, mit Frau zusammenlebend, ultrakurze Haare) mitbrachte, verfestigten bei mir nicht den Eindruck, ich hätte es hier mit einem Männerkonglomerat zu tun, ein Eindruck, den mir ein CSU-Parteitag durchaus vermittelt, aber dazu komme ich gleich noch.

Das ist natürlich nur meine ganz persönliche Sicht der Dinge.

Nehmen wir einmal an, es gibt unverhältnismäßig wenig Frauen unter den Piraten. Woran könnte das liegen?

Sicherlich mitverantwortlich ist das Bild, das die Medien gezeichnet haben. Dieses Bild wirkt auf Frauen eher abstoßend, weil sie vermuten, als Mitglied oder gar Aktivistin in dieser Männerdomäne unterzugehen. Außerdem wird ihnen suggeriert, diese Partei sei nicht für sie geeignet, eben WEIL sie ja so technik- und netzorientiert ausgerichtet sein soll. Damit propagieren und verschärfen etablierte Medien genau das, was sie der Piratenpartei ankreiden und offenbaren ihre Vorurteile bzw. die ihrer Redakteure und Autoren: Frauen und Technik/Internet, das passt halt einfach nicht zusammen…

Ich habe im Laufe meines Lebens in vielen Branchen gearbeitet. Ich war medizinische Probandin, Verkäuferin, Aushilfslehrerin, Jurastudentin, Messehostess, Bäckerin, Verwaltungsgehilfin bei den Stadtwerken, Layouterin, Mediengestalterin, Kundenberaterin, Altenbetreuerin, Online-Redakteurin und Studienberaterin.

Zusätzlich zu den letzten beiden Tätigkeiten arbeite ich zur Zeit auch als Systemadministratorin für die Online-Plattform unserer Studenten und programmiere nebenher Anwendungen für den reibungslosen Ablauf innerhalb der Studienverwaltung.

Zu diesem Job kam ich über ein Praktikum in einer Softwarefirma.  In dieser Softwarefirma arbeitete außer mir nur eine weitere Frau, und zwar im Sektor eLearning.

Jedes Vourteil bestätigt?

Nein, denn ich wurde als berufstätige Frau nie so anständig und respektabel von meinen männlichen Kollegen behandelt wie in dieser Zeit in der Softwarefirma. Ich stieß nicht auf die geringsten Ressentiments bzgl. meines Geschlechts und meiner Berufswahl. Meine Arbeit wurde honoriert, man unterstützte sich gegenseitig und selbst wenn ich Hilfe brauchte, wurde mir in keinster Weise herablassend geholfen.

Diese Leute, mit denen ich da zusammengearbeitet habe, waren durch die Bank das, was die Medien als Nerds bezeichnen und sind sicher als piratennah einzustufen.

Der Eindruck, den ich in dieser Firma und später im Beruf gewann, dass Menschen, die sich beruflich und gedanklich mit dem Internet und der Technik darum herum befassen, eher intellektuell und weniger vorurteilsbelastet sind, hat sich mir auch im Privaten immer wieder bestätigt (immerhin lebe ich mit einem solchen Nerd seit über einem Jahr mehr als glücklich zusammen!).

Insofern glaube ich eher nicht, dass Frauen es in der Piratenpartei schwer haben bzw. dort nicht willkommen sind. Einen weitaus schwereren Stand hat das weibliche Geschlecht doch in Parteien wie der CDU und CSU mit ihren traditionell konservativen Werten.

Ich war einmal auf einer Versammlung eines CDU-Ortsverbandes. Als einzige Frau übrigens und ich war beruflich da, nicht aus politischem Interesse. Dabei ging es auch um das Erreichen der weiblichen potentiellen Wähler. Die Strategie sah so aus: Einen gutaussehenden Kandidaten aufstellen (Schwiegersohnbonus, da der CDU schon klar ist, dass sie bei jungen Wählerinnen nicht punkten kann), viel persönlichen Rummel veranstalten und Themen, die Frauen interessieren könnten (laut CDU ausschließlich Familie), gezielt ansprechen.

Bedauerlicherweise haben die etablierten Parteien die letzten Jahrzehnte alles daran gesetzt, das politische Interesse der Frauen auf Minimalniveau zu halten. Die meisten meiner Geschlechtsgenossinnen sind genug gestresst mit der Doppel-, Drei- und teilweise Vierfachbelastung Kind-Arbeit-Haushalt-Studium, dementsprechend ausgebrannt und froh, wenn sie ihre Ruhe haben. Damit das so bleibt, haben wir eine miese Kinderbetreuung, eine beschissene Elterngeld-Regelung, einen denkbar schlechten (Wieder-)Einstieg in das Berufsleben, wesentlich geringeren Lohn als die männlichen Kollegen und Aufstiegsmöglichkeiten nur dann, wenn wir statt Fahrstuhl die Treppe benutzen.

Um Frauen zu erreichen, muss man sie also darauf immer wieder aufmerksam machen und darf sie nicht in der Resignation versinken lassen. Piratenthemen sind gerade auch Frauenthemen! Denn wenn es um den Freiheitskampf geht, können wir Frauen durchaus unsere Erfahrungen mit einbringen, denn wir führen ihn seit mehr als einem Jahrhundert! Wenn es um Zensur und Beschneidung von Rechten geht, dann wissen wir doch ziemlich genau, was das bedeutet!

Ich sehe gerade in der Piratenpartei ein hohes Potential, sich als Frau politisch zu betätigen ohne auf männliches Protektorat, auf Verleugnung vermeintlich weiblicher Eigenschaften und auf vermeintlich männliche Tugenden setzen zu müssen.

In jedem Fall werde ich die Entwicklung weiter beobachten.

Piraten sollten Danke sagen!


Ich finde, die Piratenpartei sollte sich bei ihren zahlreichen Wahlhelfern bedanken, die den Siegeszug der Partei in den letzten Monaten erst ermöglicht haben. Denn, sind wir doch mal ehrlich. Noch im letzten Jahr hat keine Sau ein Wort über die Piraten verloren. Erst durch die ehrenamtlichen, unermüdlichen Einsatzkräfte, die mit Herzblut und höchster Anstrengung diese junge Partei in das Bewußtsein der Öffentlichkeit getragen haben, gewann die Piratenpartei zunehmend Sympathie, Anhänger und – wichtig (!) Mitglieder.

An vorderster Front sei genannt der an Leidenschaft und Engagement kaum zu übertreffende Wolfgang Schäuble. Unermüdliche hat sich der rollende Blitz für den Mitgliederzuwachs der Piratenpartei eingesetzt. Als Beispiel seien hier der Arbeitskreis Stasi 2.0 genannt, der zusätzlich zahlreiche Merchandisingartikel vertreibt sowie satirische Aktionen und Gesetzesentwürfe und -realisierungen, die das Volk an die Bedeutung ihrer Freiheitsrechte und die demokratische Grundordnung gemahnen sollen: Bundeswehreinsatz im Inneren, Vorratsdatenspeicherung, Internierungslager für Gefährder, um nur einige zu nennen. Uns Wolle, der subtile Störer, der faustische Pudelskern, der Wolfgang im Schäublepelz, ist einer der Grundpfeiler der Piratenpartei und eifrigster Aktivist in Sachen Politikunverdrossenheit.

Danke, Wolfgang Schäuble.

Nicht minder respektabel ist das Engagement der tapferen Mutter der Nation, unserer verehrten Familienministerin Ursula von der Leyen. Mit kühler Überlegenheit und vorausschauender Berechnung hat sie die Frauen dieser Republik aufgerüttelt, besonders die wertvollen und sonst schwer erreichbaren Akademikerinnen (nicht das Jacqueline-gebärende-Kroppzeug). Gehet hinaus und vermehret euch, hat sie sich auf die Fahnen geschrieben. Doch mit wem vermehrt sich die Akademikerin von heute? Genau! Mit Akademikern und viele von diesen sind Nerds, besonders die angehenden und vorallem die, die sich mit diesem frauenfremden Technikkram auseinandersetzen. In vollem Bewußtsein trieb unsere Ulla die weibliche Bevölkerung in die Arme solcher Männer, wohlwissend, dass Nerds selten kopulieren, da sie ja meistens im Netz rumhängen und somit weniger ihr Genmaterial, dafür aber ihr perfides Gedankengut in die Akademikerinnen von heute pflanzen. Besonderer Dank geht an dieser Stelle aber an ihren gnadenlos genialen Gesetzesentwurf zur Verschleierung von Straftaten. In mühsamer Kleinarbeit und zahlreichen Überstunden wurde ein Plan ausgearbeitet, der – wenn auch durchschaubar – so doch mit der klaren Intention geschaffen wurde, die  Netzaktivisten auf die Verletzlichkeit des freien Internets aufmerksam zu machen.

Frau von der Leyen, ohne Ihre Mithilfe gäbe es sicher tausende Sympathisanten der Piratenpartei weniger! Vielen Dank dafür!

Auch viele Mitarbeiter der herkömmlichen Medien sind an dieser Stelle zu nennen. Redakteure etwa, die durch absichtlich provokanten Dilettantismus die burgerverzehrenden Blogger, die iPhone-abhängigen Twitterer, die pizzaverschlingenden WoW-Spieler, mithin also die geschlechtsdebilen Internetaktivisten zu  hitzigen Diskussionen angeregt haben, Fernsehmoderatoren, die im gespielten Witz mit wunderbar satirischer Geistesgegenwart die unbekannten Phänomene der Neuzeit einem Publikum nahebringen wollte, das sich sonst nur für Kompressionsstrümpfe und Treppenlifte interessiert,  Journalisten, die Blitzaktionen mit ironischer Weisheit kommentierten, um sie fest im Bewußtsein der Bevölkerung zu verankern. Ihre subtile Mitarbeit bestärkte die Zielgruppe der Piratenpartei im politischen Engagement.

All diesen unermüdlichen Wahlhelfern ist bewußt, das noch ein langer Weg vor ihnen liegt. Aber im Laientum vereint, von der wilden Zerstörungswut der Grundfesten der Republik vorangetrieben, mit eitlem Spöttertum und radikaler Angst ausgestattet, werden sie auch in den nächsten vier Jahren alles daran setzen, die junge Piratenpartei in ihrem Aufstieg zu unterstützen.

Also, liebe Piraten, sagt mal schön Danke! Gehört sich so!

Zum Haare raufen


H+M wirbt zur Zeit – großangelegt und omnipräsent – mit einem bärtigen männlichen Model, zum Teil gewandet in Strickpulli und Wollschal. (1) Sofort kommen einem diskriminierende Gedanken in den Sinn. Etwa Waldschrat, Ökoheini, langhaariger Bombenleger, Wollzausel, Catweazle und ähnliches. Man muss es sich ganz klar eingestehen: Es ist der Bart, der den Mann für das persönliche Empfinden ästhetisch entstellt und Vorurteile erweckt. Bärte sind schließlich out und nur wenige kämpfen in verzweifelter Singularität für den Erhalt der Kinnbehaarung.

Haare sind etwas ganz und gar unanständiges geworden.  Angefangen hat es mit Achselbausch und Wadenflaum, es folgte die männliche Brustwolle und irgendwann in den 90er Jahren fielen die Schamhaare der Rasur zum Opfer.  Es scheint so, als wollten wir die Evolution mit Gewalt vorantreiben. Schließlich brauchen wir das Körpergestrüpp ja gar nicht mehr. Also weg damit.

Wie weit die Abneigung gegen die eigene Behaarung fortgeschritten ist, zeigt die gleichgeschlechtliche Diskriminierung. Frauen lästern über behaarte Frauen, beschimpfen sie als ungepflegt, um sich selbst einen sexuellen Vorteil zu verschaffen (eigentlich ja der Hauptgedanke bei gleichgeschlechtlichen Lästereien, neben der Kompensierung des eigenen Minderwertigkeitsgefühls). Mittlerweile ist die Haarintoleranz so weit fortgeschritten, dass man sich vor den eigenen sprießenden Härchen ekelt und die Müttergeneration belächelt, die die Damenrasierer auf dem Scheiterhaufen der sexuellen Diskriminierung zusammen mit ihren Büstenhaltern verbrannte.

Und üppte bei der Garde der männlichen Schauspieler bis in die 80er-Jahre noch die Brustbehaarung, rennen sie heute scharenweise zur Wachsfolter oder zum Laserbeschuss. Bärte haben nur alte Männer wie Sean Connery oder überdrehte Figuren wie Captain Jack.
Magnum, Gallionsfigur aller Bartträger,  finden  in Wahrheit auch nur Kerle attraktiv. Keine mir bekannte Frau im Alter von 14 bis 40 kann dem potenzgestreiften Gesicht Tom Sellecks etwas abgewinnen.

Und so stehen die Männer, die man heutzutage Jungs nennt, frisch epiliert mit ihren eitlen Bubigesichtern vor dem H+M Plakat und bewerten mit gewisser Schadenfreude das bärtige Modell. Der moderne metrosexuelle Mann kann der Stutenbissgkeit durchaus etwas abgewinnen und sie für sich übernehmen. Man fühlt sich auch gleich viel attraktiver, wenn der Mann auf der Plakatwand so gar nicht dem Schönheitsideal entspricht. Und dass Werbung dieser Art erfolgreich ist, zeigen die Dove-Kampagnen.

Selbstverständlich war das nicht die Intention der Werbeagentur. Vermutlich ist die Aktion ein verzweifelter (und zu 100% erfolgloser) Versuch, dem Bart wieder sexuelle Attraktivität zu verleihen. (Siehe Johnny Depp, Joaquin Phoenix, Brad Pitt u.viele, viele a.)

Haare, besonders Körperhaare sind ein Zeichen dafür, dass der Mensch erwachsen ist. Erwachsen ist aber gleichbedeutend mit dem Übernehmen von Verantwortung. Und das Übernehmen von Verantwortung ist gleichbedeutend mit alt. Und alt ist definitiv sexuell unattraktiv. Und darauf läuft von der Berufswahl über den Autokauf und die Kleiderwahl alles hinaus.

In unseren Köpfen sind wir alle zu Kinderfickern geworden, die rasierte Mösen und eine epilierte Brust brauchen, um ihre Illusion von Jugendlichkeit nicht zu zerstören. Und diese Entwicklung geht wenig überraschend Hand in Hand mit dem steten Entzug aus der Verantwortung. Bleibt zu hoffen, dass das nicht wieder ein Bartträger zu seinen Gunsten zu nutzen weiß.

(1) Ich würde gerne auf die aktuelle H+M-Werbung verlinken. Leider ist die Website von Hennes und Mauritz so grottenschlecht, dass mir das nicht möglich ist. Bei Interesse muss man sich also durch die neue Herbst-Kollektion klicken, um den Mann mit Bart zu finden. Wer sich das antun möchte, kann es hier tun: http://www.hm.com/de/fashion/herbstmode__ff09.nhtml#/ff09/

Wie XING mir den Tag verdorben hat…


Sehr geehrte Damen und Herren,

bis zum Alter von 18 Jahren ist der Geburtstag ein Ereignis, das man sich ungeduldig herbeiwünscht. Man denkt an Freiheit und Erwachsensein, Führerschein, Wahlrecht, freie Liebe und ewiges Leben.

Mit zunehmenden Lebensjahren ändert sich das. Jeder Geburtstag gemahnt einen nun an Falten, Inkontinenz und Menopause (sollten Sie, der Leser dieser Zeilen, ein Mann sein: Denken Sie an Impotenz, Schrumpfung primärer Geschlechtsteile und Hodenkrebs).

Ich befinde nun mich genau in diesem Alter, in dem man sich an Geburtstagen am liebsten einen Sack über den Kopf zieht und in einer Ecke verkriecht.

Sicherlich ist Ihnen geläufig, dass gerade Frauen sehr sensibel reagieren, wenn man sie auf ihr Alter anspricht. Jedes hinzukommende Lebensjahr wiegt bleischwer und fühlt sich an wie ein ganzes Jahrzehnt!!!

Und nun, meine sehr geehrten Damen und Herren, stellen Sie sich bitte vor, wie ich heute morgen – an meinem $ALT. Geburtstag, einem Tag der Trauer und Wehklage, bei einem beiläufigen Blick auf den Monitor meines geliebten Mannes feststellen musste, dass SIE, also nicht Sie persönlich, aber Ihr Unternehmen, E-Mails an Mitglieder verschickt, um sie an die Geburtstage ihrer Kontakte zu erinnern.

Das ist – verstehen Sie mich nicht falsch – per se nichts schlechtes, sondern eine nette Service-Leistung.

ABER!!!

WARUM!!!

(Hören Sie mein lautes, schluchzendes Weinen?)

MÜSSEN SIE ALLEN MEINEN FREUNDEN, KOLLEGEN UND KONTAKTEN ERZÄHLEN, ICH SEI ($ALT + 1) !!!!!????!?!?!?!

Tausende E-Mails und Geburtstagskarten werden mich nun  ereilen mit dem demütigenden Text „Herzlichen Glückwunsch zum ($ALT + 1). Geburtstag“!!!! (Quantitativ nur leicht und unwesentlich übertrieben, um Ihnen die qualhafte Brutalität zu verdeutlichen!)

Können Sie sich die phsychische Folter vorstellen, der ich ausgesetzt sein werde? Können Sie nachvollziehen, wie grausam es sein wird, von Kollegen gesagt zu bekommen, wie jung ich doch noch für mein Alter aussehe!!! FÜR MEIN ALTER!!! Dabei bin ich noch sozusagen gefühlte Jahrzehnte von dem in den von Ihnen versendeten Erinnerungsmails angezeigten Alter entfernt!!!!!!!!

Sehr geehrte Xingler, überlegen Sie mal, mit welch entsetzlicher Herzlosigkeit Sie mich heute in den Tag geschickt haben!

Steckt dahinter ein perfider Plan, mein ohnehin schon labiles Seelenkorsett zu löchern und kaputt zu reißen? Von dieser Annahme muss ich direkt ausgehen, bedenkt man, dass die Altersanzeige – wie ich in den vohergehenden E-Mails, die mein Liebster von Ihnen erhalten hat, entnehmen kann, stets korrekt angezeigt wurden – MIT AUSNAHME DES HEUTIGEN TAGES!!!!

Sie sind schuld, wenn ich noch heute aufgrund des Schocks  in eine verfrühte Menopause wechsle. Jawohl!!
Sie sind schuld, wenn ich  meinem Liebsten künftig mit Hinweis auf ein drohendes osteoporöses Zerbröseln meines Oberschenkelhalsknochen Zärtlichkeiten verweigere!! Jawohl!!
Sie sind schuld, wenn ich heute von den zahlreichen Verehrern anstelle von Strapsen Stützstrümpfe gereicht bekomme und mit Doppelherz anstoße anstatt mit Champagner!!! JAWOHL!!!

Das wollte ich nur mal gesagt haben.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Ihre Atomality.

PS: Glauben Sie bloß nicht, das Obige sei ironische oder gar spaßig gemeint.
WENN ES UM DAS ALTER EINER FRAU GEHT, HÖRT DER SPASS AUF!

Und jetzt gehe ich in den Keller zum Weinen!