Wie XING mir den Tag verdorben hat…


Sehr geehrte Damen und Herren,

bis zum Alter von 18 Jahren ist der Geburtstag ein Ereignis, das man sich ungeduldig herbeiwünscht. Man denkt an Freiheit und Erwachsensein, Führerschein, Wahlrecht, freie Liebe und ewiges Leben.

Mit zunehmenden Lebensjahren ändert sich das. Jeder Geburtstag gemahnt einen nun an Falten, Inkontinenz und Menopause (sollten Sie, der Leser dieser Zeilen, ein Mann sein: Denken Sie an Impotenz, Schrumpfung primärer Geschlechtsteile und Hodenkrebs).

Ich befinde nun mich genau in diesem Alter, in dem man sich an Geburtstagen am liebsten einen Sack über den Kopf zieht und in einer Ecke verkriecht.

Sicherlich ist Ihnen geläufig, dass gerade Frauen sehr sensibel reagieren, wenn man sie auf ihr Alter anspricht. Jedes hinzukommende Lebensjahr wiegt bleischwer und fühlt sich an wie ein ganzes Jahrzehnt!!!

Und nun, meine sehr geehrten Damen und Herren, stellen Sie sich bitte vor, wie ich heute morgen – an meinem $ALT. Geburtstag, einem Tag der Trauer und Wehklage, bei einem beiläufigen Blick auf den Monitor meines geliebten Mannes feststellen musste, dass SIE, also nicht Sie persönlich, aber Ihr Unternehmen, E-Mails an Mitglieder verschickt, um sie an die Geburtstage ihrer Kontakte zu erinnern.

Das ist – verstehen Sie mich nicht falsch – per se nichts schlechtes, sondern eine nette Service-Leistung.

ABER!!!

WARUM!!!

(Hören Sie mein lautes, schluchzendes Weinen?)

MÜSSEN SIE ALLEN MEINEN FREUNDEN, KOLLEGEN UND KONTAKTEN ERZÄHLEN, ICH SEI ($ALT + 1) !!!!!????!?!?!?!

Tausende E-Mails und Geburtstagskarten werden mich nun  ereilen mit dem demütigenden Text „Herzlichen Glückwunsch zum ($ALT + 1). Geburtstag“!!!! (Quantitativ nur leicht und unwesentlich übertrieben, um Ihnen die qualhafte Brutalität zu verdeutlichen!)

Können Sie sich die phsychische Folter vorstellen, der ich ausgesetzt sein werde? Können Sie nachvollziehen, wie grausam es sein wird, von Kollegen gesagt zu bekommen, wie jung ich doch noch für mein Alter aussehe!!! FÜR MEIN ALTER!!! Dabei bin ich noch sozusagen gefühlte Jahrzehnte von dem in den von Ihnen versendeten Erinnerungsmails angezeigten Alter entfernt!!!!!!!!

Sehr geehrte Xingler, überlegen Sie mal, mit welch entsetzlicher Herzlosigkeit Sie mich heute in den Tag geschickt haben!

Steckt dahinter ein perfider Plan, mein ohnehin schon labiles Seelenkorsett zu löchern und kaputt zu reißen? Von dieser Annahme muss ich direkt ausgehen, bedenkt man, dass die Altersanzeige – wie ich in den vohergehenden E-Mails, die mein Liebster von Ihnen erhalten hat, entnehmen kann, stets korrekt angezeigt wurden – MIT AUSNAHME DES HEUTIGEN TAGES!!!!

Sie sind schuld, wenn ich noch heute aufgrund des Schocks  in eine verfrühte Menopause wechsle. Jawohl!!
Sie sind schuld, wenn ich  meinem Liebsten künftig mit Hinweis auf ein drohendes osteoporöses Zerbröseln meines Oberschenkelhalsknochen Zärtlichkeiten verweigere!! Jawohl!!
Sie sind schuld, wenn ich heute von den zahlreichen Verehrern anstelle von Strapsen Stützstrümpfe gereicht bekomme und mit Doppelherz anstoße anstatt mit Champagner!!! JAWOHL!!!

Das wollte ich nur mal gesagt haben.

Ich verbleibe mit freundlichen Grüßen,

Ihre Atomality.

PS: Glauben Sie bloß nicht, das Obige sei ironische oder gar spaßig gemeint.
WENN ES UM DAS ALTER EINER FRAU GEHT, HÖRT DER SPASS AUF!

Und jetzt gehe ich in den Keller zum Weinen!

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Gerichte stoppen Ausbeutung von Arbeitgebern


Der Fall der dreisten Kassiererin Barbara E. empört die Republik. Frau E. hat durch die Unterschlagung von Pfandbons in nicht unerheblicher Höhe das 30-jährige Vertrauensverhältnis zu ihrem Arbeitgeber so nachhaltig zerstört, daß eine Abmahnung völlig unzureichend gewesen wäre. Für ihren Arbeitgeber ist es schlicht unzumutbar geworden, sie aufgrund dieser unglaublichen Verfehlung weiterhin zu beschäftigen.

Dieser Mißbrauchsfall lässt alte Wunden aufbrechen. Geschädigte Arbeitgeber werden schonungslos an ausbeuterische Beschäftigte erinnert, die beispielsweise Firmeneigentum in böswilliger Absicht zerstört haben (man erinnere sich an den Fall einer Küchenmitarbeiterin, die Weintrauben gegessen hat, die für den betriebseigenen Abfall bestimmt waren) oder gar in großem Rahmen Arbeitszeitbetrug begingen (45 Minuten).

Die jüngsten Ereignisse lassen die Personenüberwachung bei Lidl und die Datenerhebung der Deutschen Bahn in völlig neuem Licht erscheinen. Massenentlassungen wegen gestohlener und unterschlagener Kugelschreiber sind zu erwarten.

Zurecht mit Unverständnis reagierten Gerichte dagegen auf vermeintliche Zerüttung des Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer etwa durch unbezahlte Überstunden (dies ist selbstverständlich kein Arbeitszeitbetrug) oder gar durch Arbeitsplatzgefährdung aufgrund Mißmanagements und Spekulierfreude. Auch die bereits erwähnte Überwachung und Datenerhebung sei keinesfalls geeignet, das Vertrauen in den Arbeitgeber zu erschüttern, da häufig nicht einmal der Arbeitnehmer, sondern sein soziales Umfeld wie der Ehegatte oder Tabakhändler betroffen sei.

Die Richter bewiesen im Fall Barbara E., daß selbst in einem langjährigen, loyalen Mitarbeiter im Kern das Urböse steckt, das jederzeit ausbrechen kann. Befristete Verträge, Praktikanten und Hartz-IV-Empfänger, die sich ein Zubrot verdienen können und damit dem Staat durch Unterstützung der Tabak- und Spirituosenindustrie die nötigen Gelder zukommen lassen, um marode Unternehmen und Banken zu retten, minimieren das Risiko langfristiger Ausbeutung des Arbeitgebers durch den Arbeitnehmer und sind daher zu begrüßen.

Frau E. wird ihre unglaubliche Verfehlung sicherlich bald ganz richtig als solche einschätzen, wenn sie als zukünftige Hartz-IV-Empfängerin erfahren muß, daß sie ihren Arbeitgeber um einen kompletten Stundenlohn im Niedrieglohnsektor bzw. um eine komplette Sekunde im Managerlohnbereich betrogen hat.

Das wird ihr und vielen potentiellen Arbeitnehmern, die es nicht wertzuschätzen wissen, ihre Arbeitskraft in einem Unternehmen einbringen zu dürfen, hoffentlich eine Lehre sein.