Nachrichten, wie sie sein sollen


Sind wir doch mal ehrlich. Ständig Krieg, Kindesmißhandlung, gebrochene Politikerversprechen, Finanzkrise und Börsentiefflug – das deprimiert auf Dauer. Dummheit und Unwissen kann dagegen wunderbar glücklich machen. Und deshalb begrüße ich die Entscheidung der Pro7-Nachrichtenredaktion außerordentlich, fortan auf Meldungen, die uns aufregen, informieren oder zum Nachdenken anregen können, zu verzichten.

Wunderbar also die heutige 18 Uhr Newstime:

  • Irgendeine Feuerwehr irgendwo in Deutschland ist zum zweiten Mal in 15 Jahren abgebrannt. Kommentar eines Feuerwehrmanns: „Wir sind verflucht.“
  • Obama hat in einem Diner gegessen und hatte eine Zwiebel an der Lippe kleben. Er bat außerdem um geriebenen Käse.
  • Aus irgendwelchen Gründen gibt es viele Haie und die greifen Menschen an.
  • Prinz Harry hat auf einem uralten Video seine Kumpels ziemlich politisch unkorrekt beschimpft und sich über Omi lustig gemacht. Kommentar von irgendjemanden dazu: „Der Prinz reißt tiefe Gräben in unser Land.“
  • Skifahren: Irgendjemand hat irgendwas gewonnen.
  • Und zuletzt noch ein bißchen Eigenwerbung für Pro7, schön verpackt in eine Meldung: Irgendwo werden die Golden Globes vergeben. Pro7 wird das Spektakel übertragen.

Wunderbar! Nachrichten, wie sie sein sollen. Und man muß sie sich nicht mit Coke Zero schön trinken. Obwohl die Produktbezeichnung doch durchaus passend wäre.

Endlich: Globale Verdunkelung sorgt für angenehme Lichtverhältnisse


Es ist ein bißchen beängstigend, wenn man aufwacht und die Uhr zeigt 14:50. Ich bin ja prinzipiell kein Frühaufsteher, aber vor 12 krieche ich dann doch meist aus den Federn. Sonst plagt mich das schlechte Gewissen, weil ich einen Tag in Gesundheit und Wohlbefinden vergeudet habe. (Und wer weiß, wieviele da noch kommen.)

Ich schlage also die Augen auf, blicke auf die Uhr und zische einen Fluch durch die zusammengebissenen Zähne. Ich blinzle und habe plötzlich das Gefühl, daß etwas nicht so ist, wie es sich gehört. Es ist irgendwie so… dunkel? Hab ich etwas verpasst? Totale Sonnenfinsternis? Ist uns der Himmel auf den Kopf gefallen? Schwebt das Independence Day-Raumschiff direkt über unserer Wohnung? Oder ist es nun endlich so weit und die globale Verdunkelung zeigt ihre Auswirkungen?

Drei Wimpernschläge überdenke ich die Lage. Dann schließe ich einfach wieder die Augen und schlafe ein. Im Prinzip ja auch das Beste, was man im Fall einer globalen Katastrophe tun kann.

Aufgestanden bin ich übrigens eben um 17:50. Ein Glück, daß dienstags wieder Uri Geller im TV gesendet wird…

Immer Ärger mit Galileo


Dachte sich vermutlich auch der Vatikan. Gemeint ist hier aber das von Pro7 so bezeichnete Wissensmagazin. Diese Betitelung allein ist schon der pure Hohn, noch schwerer wiegt allerdings, daß eine Boulevardsendung, die größtenteils einen adipösen Nahrungsverwerter auf Weltreise schickt, um nach XXL-Mahlzeiten Ausschau zu halten, nach einem so bekannten, berühmten und bewundernswerten Menschen benannt ist.

Aber der kann sich ja nicht mehr wehren und muß nun damit klarkommen, daß in seinem Namen Halbwahrheiten und viel, viel Werbung verbreitet werden. Ich hoffe nur, daß niemals das (von mir so bezeichnete) Big-Brother-Phänomen eintritt: Jugendliche, die man nach der Bezeichnung Big Brother fragt, denken, man hätte sich den Namen für die Sendung ausgedacht. Der Ursprung ist ihnen nicht (mehr) geläufig.

Besonders interessant fand ich die Galileo-Montagssendung. Da rollte ein Auto eine mysteriöse Straße bergauf! Oh mein Gott, womöglich Spuk? Außerirdische? Oder – wie Galileo (das Magazin) spekulierte – Magnetismus, vielleicht sogar ein Schwerkraftproblem?

Der ganze Beitrag wurde unendlich aufgebläht und absolut aberwitzig und effekthascherisch ausgeschmückt.

Als das „Rätsel“ endlich gelöst wurde (irreführende Kameraperspektive), ging es gleich weiter mit einem wesentlich interessanteren Thema. Schließlich ist die Bezeichnung „Wissensmagazin“ Programm und man ist ihr verpflichtet. Und so handelte der Beitrag vom richtigen Bescheißen bei Klassenarbeiten. Yeah, das ist unser Akademikernachwuchs. Der muß nur lernen, wie man richtig spickt und betrügt.

Ich finde das schlicht unverantwortlich.

Worum es wohl heute bei Galileo gehen wird? Das größte Würstchen der Welt? Welche Kaffeemaschine ist am besten? Der große Hellsehertest? Gibt es tatsächlich Außerirdische? Und sind Kobolde nur ein Mythos?