Wer hat Bernd das Brot entführt? Ich habe da eine Vermutung!


Vor ein paar Tagen machte die Entführung des Fernsehstars Bernd das Brot Schlagzeilen in den Medien. Eine riesige Replik wurde direkt vom Rathausplatz in Erfurt entwendet. Der Tathergang als solches bleibt desweiteren im Dunkeln, aber unwahrscheinlich ist es wohl, daß die Täter zu Fuß flüchteten. Jedenfalls gibt es keine Augenzeugen, die des Nachts beobachten konnten, wie ein zwei Meter großes Kastenbrot durch Erfurt geschleppt wurde. Wobei man nicht vergessen sollte, daß Bernd das Brot ein geschickter Verkleidungskünstler ist, weshalb man nicht ausschließen darf, daß die Entführer ihn womöglich mit einer Perücke versahen und somit gänzlich unkenntlich machten.

Vermutlich wäre die Untat tagelang unentdeckt geblieben, hätten nicht fixe Erfurter Beamte in ihrer wohlverdienten Kaffeepause einen Blick nach draußen geworfen:

Das Fehlen der über zwei Meter großen Kunststofffigur wurde in der Stadtverwaltung bemerkt, hieß es aus der Kulturdirektion.
Quelle

Ein Bekennerschreiben und -video liegen vor. Letzteres war auf youtube einsehbar, wurde aber mittlerweilen wegen Urheberrechtsverletzungen gesperrt. (Urheberrechtsverletzung ggü. des MDR, nicht der Entführer.) Darin bekannten sich Hausbesetzer zur Tat. Deshalb hielt man sich in den Medien auch nicht lange mit Verdächtigungen auf („Hausbesetzer entführen Bernd das Brot„, „In der Hand der Hausbesetzer„). Der Unterschied zwischen mutmaßlich/vermutlich und tatsächlich spielt in den Medien bekanntlich keine große Rolle.

Forderungen wurden keine gestellt und Bernd das Brot soll beizeiten auch wieder freigelassen werden:

In dem Schreiben eines sogenannten „129 A-Teams“ hieß es, dass „Bernd das Brot“ zu gegebener Zeit wiederkommen werde.
Quelle

Sind die Hausbesetzer die Täter? Ermittlungen in diese Richtung verliefen ergebnislos. „Wir haben bisher noch keine Spur“, sagte Polizeisprecher Manfred Etzel. (Quelle) Und die vermeintlichen Entführer weisen jede Schuld von sich:

Mit der Entführung von Bernd und dem Bekennervideo wollen die Besetzer nichts zu tun haben: „Das ist eine originelle Idee, aber von uns ist sie nicht.“ Vielmehr sei das eine Aktion von Unterstützern – auf den Bildern sind noch Gebäudeteile zu sehen, die offenbar im Sommer aufgenommen worden sind. „Wir haben ein bisschen umdekoriert, damit es im Fernsehen mehr hermacht“, sagt Bernd in dem Clip.
Quelle

Vielleicht sind es Unterstützer. Vielleicht ist das ganze aber auch ein schön angelegter TV-Gag. Gestern Nacht jedenfalls hatte ich sozusagen eine Vision, eine Erleuchtung, wenn man so möchte. Ich empfing quasi Bilder. Und zwar direkt aus unserem Televisionsgerät.

Erinnert Ihr Euch noch an den „ersten türkischen Karnevalsverein“? Dieser nette Schwindel wurde den Medien als Tatsache verkauft und erwartungsgemäß stürzten die sich auch sogleich auf diese Sensation. Die WELT, FAZ, ZEIT und viele andere (z.B. auch die TAZ, wobei der entsprechende Artikel merkwürdigerweise im Netznirwana verschwunden ist) berichteten darüber. Z.T. skeptisch, z.T. aber auch durchaus ernst.

Gestern nun lief im TV auf RTL das Comedyformat, das hinter dem Fake steckte: Die TV-Helden. Und wenn man die entsprechende Pressekonferenz zur vermeintlichen Gründung des türkischen Karnevalvereins betrachtet, dann fragt man sich, was für Medienvertreter dort hingeschickt wurden, daß diesen nicht sofort klar war: Das ist Verarsche!

Nun, ich habe die Vermutung, Bernd das Brot sitzt auf einer gemütlichen Couch in einem Kölner Fernsehstudio. Und sicher wird sich alles in Wohlgefallen auflösen. Schließlich kann das A-Team 129 nicht wirklich böse sein. Denn das A-Team agiert zwar manchmal im Untergrund, gehört aber zu den Guten. Und 129 ist eine glückliche Zahl!

Vielleicht ist die Entführungsgeschichte aber auch Bernds ureigene Idee. Vielleicht hatter er die Schnauze voll und ist einfach abgehauen. Wer will schon ständig der Witterung ausgesetzt rumstehen und angegafft werden?

TV-Tipp: Tsotsi


Während es in unseren Breitengraden schick ist, auf Gangsta zu machen und sich damit der schlimmsten Peinlichkeit hinzugeben, gibt es Länder auf dieser Welt, da haben Jugendliche oftmals keine andere Wahl. Tsotsi erzählt über einen Zeitraum von einer Woche die Geschichte des 19-Jährigen David, der in den Slums vor Johannesburg vor sich hinvegitiert. Raubzüge, sogar Morde sichern ihm und seiner Gang den Lebensunterhalt.

Bei einem dieser Raubzüge entführt David unbeabsichtigt ein Baby. Es lag auf dem Rücksitz eines gestohlenen Autos. Hilflos versucht er zunächst, das Baby zu „entsorgen“, lässt aber schließlich von dem Gedanken ab und nimmt es mit zu sich. Da er schon bald merkt, daß er das Kind nicht versorgen kann, zwingt er die Witwe Miriam, selbst junge Mutter, sich um das Baby zu kümmern.

Wäre Tsotsi ein Hollywoodfilm, David würde sich in Miriam verlieben, sie würde das Kind den glücklichen Eltern straflos zurückgeben und anschließend selbst heiraten.

In Tsotsi läuft alles anders.

Was mir an diesem Film so gefällt, das ist einmal der Einblick in ein so völlig anderes, fremdes und äußerst realistisch dargestelltes Leben. Dann mag ich es, das die Charaktere so glaubwürdig sind. Keiner ist überzeichnet und grundsätzlich böse oder gut.

Der Film von Regisseur Gavin Hood läuft am Dienstag, 25. November 2008, um 22:50 Uhr im RBB.

Tstosi bedeutet übrigens Gangster.