Alles Schall und Rauch


Es ist schon eine ganze Weile her, da sah ich einmal einen Bericht über Veganer und Fruganer im TV. Veganer, quasi Hardcore-Vegetarier, lehnen bekanntlich alle tierischen Produkte ab, bei Lebensmitteln z.B. sogar Honig und bei Kleidung wird auf Wolle und Leder verzichtet.

Fruganer wiederum sind noch einen Tick radikaler. Sie essen sozusagen nur das, was von den Pflanzen runterfällt. Verboten sind bei dieser Ernährungsweise z.B. Wurzelgemüse oder auch Salat, denn durch die Aberntung wird die Pflanze zerstört und genau das möchte die frugane Ernährung vermeiden.

Ebenso wie vei den Veganern kann sich die Ernährungsphilosophie auch bei den Fruganern in einer umfassenden Lebensphilosophie widerspiegeln. In dem Bericht, den ich eingangs erwähnte, wurden z.B. recht radikale Fruganer gezeigt, die gezielt Gräber auf Friedhöfen beschädigten, sofern dort Schnittblumen zu finden waren.
Rosen, Tulpen, Nelken – Schnittblumen bedeuten nach Auffassung mancher Fruganer Mord.

Und so saßen in jener Reportage überzeugte Fruganer in einer gemütlichen Interviewrunde, erzählten von den Schnittblumenattacken und taten weitere Ansichten kund. Dabei rauchten sie eine Fluppe nach der anderen…

Ich mag es, wenn sich radikale Vollpfosten selbst entlarven. Ob das nun Abtreibungsgegner sind, die sich den Schutz des Menschenlebens auf die Fahnen geschrieben haben und dafür Ärzte hinmetzeln, ob das Ernährungsfetischisten sind, für die im Kampf für eine friedliche und humane Welt das Leben einer Schnittblume oder eines Kanninchens höher zu bewerten ist als das des Jägers oder Blumenhändlers oder ob das religiöse Gruppierungen sind, die die Grundzüge ihrer Religion kaum kennen und noch weniger verstehen.

Aber Tabak wird ja bekanntlich aus der berühmten Tabakbohne gewonnen. Und wenn nicht, hat er es verdient, zu sterben. Schließlich wissen wir ja alle, daß Tabak böse ist.

Obama: Schwarze sind nicht benachteiligt


Ich schicke voraus, das Barack Obama das nie gesagt hat. Aber was wäre, wenn? Was, wenn der designierte Präsident der USA sich an ein Rednerpult stellt und verkündet: „Hey, Leute, die Diskriminierung der Schwarzen ist doch ein alter Hut. Das gibt’s schon lange nicht mehr. Schaut mich an! Ich bin Präsident geworden – obwohl ich schwarz bin!“

Wieviele Schwarze würden ihm wohl zustimmen?

In der Tat hat Barack Obama viel erreicht. Für ihn mag Diskriminierung eine untergeordnete Rolle spielen. Ich glaube es nicht und betrachtet man z.B. die Entgleisung von Berlusconi, wäre eine solche Mutmaßung auch reiner Hohn. Allein die Tatsache, daß wir es alle so unglaublich finden, daß ein Schwarzer ein so hohes Amt errungen hat, ist Diskriminierung in Reinform.

Umso trauriger stimmt es mich, wenn ich folgendes lese:

“Feminismus liegt mir nicht. Ich fühle mich durch mein biologisches Geschlecht nicht benachteiligt und ich denke auch nicht, dass es notwendig ist, heute die Rechte der Frau zu betonen – Emanzipation ist gestorben: wenn jeder, ungeachtet des Geschlechts, tun und lassen kann was er mag, brauchen wir sowas nicht mehr.”
Quelle Gefunden via Gedankendeponie.

Nichts in dieser Welt ist so unsicher wie die Sicherheit. Das Leben ist ein fortwährender Kampf um die Freiheit – in jeder Hinsicht. Wir wägen uns in trügerischer Stagnation, im Ziel womöglich, aber die Geschichte und auch die Gegenwart lehren uns doch täglich das Gegenteil. Die Sklaven von heute können die Herren von morgen sein, die Unfreien die Freien, die Armen die Reichen – und das gilt auch stets andersrum. Es gibt keine Position, die einem etwas garantiert – nirgendwo!

Im Mikrokosmos des eigenen Lebens wirkt vielleicht alles heil, aber das ist es nicht. Wie sieht es mit dem Feminismus, der Gleichberechtigung, der Emanzipation in unserem Land aus? Verdienen Frauen denn nicht noch bedeutend weniger als Männer in gleichen Positionen? Wieviele Frauen haben wir denn in Führungspositionen? Wievielen Frauen gehört das Kapital in Deutschland? Wieviele alleinerziehende Frauen krebsen mit Hartz-IV dahin, weil sie auf dem Arbeitsmarkt keine Chance haben? Wie sehr wird Kindererziehung überhaupt honoriert? Wie frei sind wir? Wie frei war Morsal, die in Hamburg abgeschlachtet wurde?

Und was, wenn man über den Tellerand hinaussieht, in die weite Welt? Wie frei sind die Mädchen, deren Genitalien verstümmel werden? Wie frei die Frauen, die Vergewaltigungen verschweigen müssen, um nicht geächtet zu werden?

Geht uns das nichts an?

Oh doch. Es geht uns etwas an. Feminismus, Emanzipation geht jeden Menschen auf dieser Welt etwas an. Ebenso wie uns jedwede Diskriminierung etwas angeht.

Im Freiheitskampf gibt es niemals eine Stagnation, niemals ein Innehalten.

Und ich betone gerne, daß Feminismus und Emanzipation NICHT bedeutet, Männer zu verachten oder zu diskriminieren. Das ist eine fehlgeleitete Anicht, deren Basis der Hass ist. Ohne Mithilfe vieler mutiger Männer hätten wir in der überschaubaren westlichen Welt keinen Standpunkt erreicht, der uns zumindest ermöglicht, Diskriminierung zu erkennen und dagegen anzukämpfen.

Feminismus ist der Anspruch auf Respekt, auf Menschenwürde. Diesen erreicht man nicht durch Gleichmacherei, nicht durch Umkehrung der Verhältnisse und auch nicht durch Aufbrechen der Rollenverteilung.

Klischeevorstellungen müssen verschwinden, Vorurteile müssen abgebaut werden und die Erkenntnis muss sich breit machen, daß wir keine Feinde sind, daß wir unterschiedlich sind und uns trotzdem perfekt ergänzen können. Wir brauchen keine Angst voreinander zu haben.

Der Weg dahin ist noch lang und im Grunde genommen hat er gar kein Ziel. Die Welt ist ungerecht, und der Kampf um Freiheit ist kein Kampf der Frauen. Es ist unser aller Kampf.

Wir dürfen niemals schweigen, wir dürfen nichts als gegeben hinnehmen, wir alle müssen unsere Rechte stets betonen, denn es wird immer jemanden geben, der sie zu untergraben versucht.

Von Frauenpower zu Frauenbauer


Angeblich können Frauen IKEA-Möbel besser aufbauen als Männer. Das las ich eben in einer Meldung in meinem Feedreader. Frauen gingen systematischer zur Sache, läsen eher die Anleitungen, sortierten sich die Schrauben usw.

Ich habe bisher nicht mit vielen Männern Möbel zusammengebaut. Aber sowohl mein Vater als auch mein Ex-Freund waren klischeemäßig komplette Möbelbauversager. Weil sie es nicht einmal für nötig befunden haben, die Anleitung zu lesen, weil sie unmethodisch vorgingen, sich die Teile nicht zurecht legten und sich lieber stundenlang mit einem Akkuschrauber rumärgerten, damit stolz rumwedelten, Blödsinn machten oder ihn aufladen mussten, während ich das/die Regal/ Bett/ Küche/ Wohnzimmerkompletteinrichtung in der Hälfte der Zeit mit einem normalen Schraubenzieher locker aufgebaut habe. Merke: Schrauben festzurren kann man auch noch, wenn das Ding steht! Muss man sogar!

Aber Fakt ist, von zwei Beispielen kann ich nicht auf eine Regelmäßigkeit schließen. Abgesehen davon kenne ich genauso auch Frauen, die mich in den Wahnsinn treiben, wenn ich mit denen nur einen IKEA-Pappkarton zusammenfalte. Ich halte daher diese Meldung für Blödsinn. Es nervt ohnehin, ständig Meldungen à la „Mann/Frau kann dieses oder jenes besser als das andere Geschlecht“ vorgesetzt zu bekommen. Da wird doch nur künstlich Konkurrenz aufgebaut, wo Gemeinsamkeit so wichtig wäre.

Interessanter als die dämliche Pressemeldung finde ich übrigens die Reaktionen der männlichen Leser in den Kommentaren. Diese fühlen sich nämlich (zurecht) vorgeführt und ärgern sich. Sie gehen mit dieser versteckten Diskriminierung genauso um wie Frauen im Vergleichsfall. Immerhin da haben wir also eine eklatante Gemeinsamkeit. Ist doch schon mal ein Anfang.