Die außergesellschaftliche Verortung von Einsamkeit


Oder so ähnlich. Manche Sätze muß man ja zwei-, dreimal lesen, bevor man ansatzweise versteht, was gemeint sein könnte. Besonders in wissenschaftlicher Literatur findet man häufig Konstrukte, manche sogar seitenlang, deren Sinn man einfach nicht entschlüsseln kann.

Mein ehemaliger Professor für Arbeitsrecht sagte einmal, wer sich nicht klar ausdrücken könne, der verwende möglichst viele Fremdworte. Ein paar hielten sich daran und erhielten Punktabzug. Muhahaha. (Geschadet hat es aber nicht. Sind heute sicherlich alle Anwälte und Richter.)

Eine nützliche Empfehlung gab uns auch ein Strafrechtsprofessor mit auf den Weg: „Schreiben Sie so klar und verständlich, daß es auch der lezte Depp verstehen kann. Immerhin haben Sie es zukünftig bevorzugt mit Juristen zu tun.“

Das hat dieser Journalist/Autor wohl versäumt:

„Bei Politikern, so scheint es, ist die Behauptung von Einsamkeit die letztmögliche Form eines heroischen Habitus. Der beständigen öffentlichen Kritik ausgesetzt, entzieht sich der Politiker ihr mit der Suggestion einer einsamen Charaktertiefe, die nur außerhalb der Gesellschaft zu verorten sei.“ (Quelle)

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Kreuzweise


Früher entbrannte in meiner Familie donnerstags stets Streit, mit Umzug nach Frankreich verschob er sich dann auf den schönen Samstag. Auslöser war Die Zeit, die bei uns hauptsächlich wegen des Kreuzworträtsels gekauft wurde.

Meine Mutter hatte perfide Strategien entwickelt, uns das Rätsel vorzuenthalten. Mit unfassbarer Garstigkeit ließ sie uns die elterliche Autorität spüren. „Mami, kann ich mal Die Zeit haben?“ – „Nein.“ – „Warum nicht?“ – „Weil ich die Mutter bin und Du die Tochter.“ Lediglich bei besonders fiesen Fragen, durften wir ab und an – unter Abdeckung des Resträtsels – einen Blick darauf werfen.

Ich lebe schon lange nicht mehr in elterlicher Obhut. Und wenn ich im Urlaub französiche Lebensart genießen möchte und ein paar Tage bei meiner Mutter verbringe, sehe ich gnädig über derlei hinweg. Was meine Mutter nämlich nicht weiß, ist, daß die Zeit jede Woche das Rätsel auch online veröffentlicht.

Familienfrieden wieder hergestellt. Und ich überlege noch, ob ich meiner Mutter den Linktipp zum Geburtstag oder zu Weihnachten schenken soll. Ich bin ja nicht so.