Schlechte Erfahrungen


Es gibt ja diese Arbeitnehmermentalität, sich krank in die Arbeit zu schleppen oder Überstunden zu machen. Sich loyal zu zeigen, sich für das Firmenwohl aufzuopfern und eigene Belange zurückzustecken.

Menschen, die sich so verhalten, beäugen die, die zweimal im Jahr krank sind, misstrauisch oder lästern, wenn der Kollege pünktlich das Büro verlässt.

Es gibt diese Mentalität wirklich. Ich selbst hatte sie in allen Auswüchsen seit Beginn meiner Tätigkeiten gegen Entgelt im Alter von 16 Jahren bis vor ca. vier Jahren. Ich habe mich mit Fieber an den Schreibtisch gesetzt, war immer da, wenn jemand anderes ausfiel, habe Überstunden gemacht, teilweise sogar sehr exzessiv. Und nicht etwa, weil es meinen Arbeitgebern schlecht ging. Im Gegenteil!

Dann ging mir ein Licht auf. Ich hatte nicht einen Arbeitgeber, der meinen Einsatz honoriert hat! Und allein die Gnade, bei meinem Arbeitgeber arbeiten zu dürfen und seinen Reichtum zu mehren, sehe ich nicht als Auszeichnung für meine gelebte Loyalität an.

Und mittlerweile weiß ich: Es ist nichts bewundernswertes, sich so aufopfernd zu verhalten. Es ist einfach nur dämlich.

Das ist das traurige Fazit aus 20 Jahren Arbeit.

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Gerichte stoppen Ausbeutung von Arbeitgebern


Der Fall der dreisten Kassiererin Barbara E. empört die Republik. Frau E. hat durch die Unterschlagung von Pfandbons in nicht unerheblicher Höhe das 30-jährige Vertrauensverhältnis zu ihrem Arbeitgeber so nachhaltig zerstört, daß eine Abmahnung völlig unzureichend gewesen wäre. Für ihren Arbeitgeber ist es schlicht unzumutbar geworden, sie aufgrund dieser unglaublichen Verfehlung weiterhin zu beschäftigen.

Dieser Mißbrauchsfall lässt alte Wunden aufbrechen. Geschädigte Arbeitgeber werden schonungslos an ausbeuterische Beschäftigte erinnert, die beispielsweise Firmeneigentum in böswilliger Absicht zerstört haben (man erinnere sich an den Fall einer Küchenmitarbeiterin, die Weintrauben gegessen hat, die für den betriebseigenen Abfall bestimmt waren) oder gar in großem Rahmen Arbeitszeitbetrug begingen (45 Minuten).

Die jüngsten Ereignisse lassen die Personenüberwachung bei Lidl und die Datenerhebung der Deutschen Bahn in völlig neuem Licht erscheinen. Massenentlassungen wegen gestohlener und unterschlagener Kugelschreiber sind zu erwarten.

Zurecht mit Unverständnis reagierten Gerichte dagegen auf vermeintliche Zerüttung des Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und -nehmer etwa durch unbezahlte Überstunden (dies ist selbstverständlich kein Arbeitszeitbetrug) oder gar durch Arbeitsplatzgefährdung aufgrund Mißmanagements und Spekulierfreude. Auch die bereits erwähnte Überwachung und Datenerhebung sei keinesfalls geeignet, das Vertrauen in den Arbeitgeber zu erschüttern, da häufig nicht einmal der Arbeitnehmer, sondern sein soziales Umfeld wie der Ehegatte oder Tabakhändler betroffen sei.

Die Richter bewiesen im Fall Barbara E., daß selbst in einem langjährigen, loyalen Mitarbeiter im Kern das Urböse steckt, das jederzeit ausbrechen kann. Befristete Verträge, Praktikanten und Hartz-IV-Empfänger, die sich ein Zubrot verdienen können und damit dem Staat durch Unterstützung der Tabak- und Spirituosenindustrie die nötigen Gelder zukommen lassen, um marode Unternehmen und Banken zu retten, minimieren das Risiko langfristiger Ausbeutung des Arbeitgebers durch den Arbeitnehmer und sind daher zu begrüßen.

Frau E. wird ihre unglaubliche Verfehlung sicherlich bald ganz richtig als solche einschätzen, wenn sie als zukünftige Hartz-IV-Empfängerin erfahren muß, daß sie ihren Arbeitgeber um einen kompletten Stundenlohn im Niedrieglohnsektor bzw. um eine komplette Sekunde im Managerlohnbereich betrogen hat.

Das wird ihr und vielen potentiellen Arbeitnehmern, die es nicht wertzuschätzen wissen, ihre Arbeitskraft in einem Unternehmen einbringen zu dürfen, hoffentlich eine Lehre sein.

So schmeckt die Konjunkturkrise!


Gestern wurde uns in den Nachrichten betroffen mitgeteilt, daß die Konjunkturkrise nun den Arbeitsmarkt erfasst hätte und es mehr Arbeitslose gäbe. Nun, das ist jetzt nicht so überraschend. Harte Zeiten wurden uns ja schon angekündigt und die ersten Auswirkungen machen sich nun bemerkbar.

Wir sollten uns also auf drohende Armut einstellen. Du, ich, wir alle, die wir noch Arbeit haben, lümmeln auf dem Schleudersitz und können morgen schon in die Arbeitslosigkeit katapultiert werden. Bis sich die Konjunktur dann erholt, können Jahre vergehen. Man denke nur, wie lange es gedauert hat, bis wir Arbeitnehmer etwas vom Aufschwung abbekommen haben. Genau! Das ist nie passiert, weshalb es tatsächlich dringend erforderlich ist, den Tatsachen ins Auge zu sehen. Die Mühlen mahlen langsam. Seeehr langsam. Und das heißt nichts anderes als: Arbeitslos = Hartz-IV, denn da rutscht man schneller rein als man denkt. Und Hartz-IV wiederum bedeutet „so-weit-unten-tiefer-geht-es-kaum“.

Ich spreche aus Erfahrung und möchte gerne meinen Beitrag zur Verbesserung der allgemeinen, dramatischen Lage leisten. In loser Folge werden hier daher Kochrezepte erscheinen, die ein Überleben auch in Zeiten der Armut gewährleisten.

Viel Vergnügen beim Nachkochen. Und bon appétit.