Der Biss der Wanderhure


Eben in der Badewanne, beim Durchstöbern eines Bücherkatalogs, habe ich folgende Erkenntnisse gewonnen:

1. Historische Romane werden zu 90% von Frauen gelesen. Der Protagonist sollte daher eine Protagonistin sein, deren Bestimmung bereits im Buchtitel zum Ausdruck kommt: Die Wanderhure, Die Seidenspinnerin, Die Feuerbraut, Die Heilerin, Die Geliebte des Königs, Der Kuss des Schokoladenmädchens, Die Puppenmacherin, usw.

2. Historische Romane, die auch Männer lesen sollen, führen ein architektonisches Element im Titel: Die Säulen der Erde, Die Kathedrale des Meeres, Die Kapelle der Glasmaler, Die Tore der Welt.

3. Jugendliche bringt man nur durch Bücher zum Lesen, in denen reihenweise Menschen abgeschlachtet werden. Bevorzugt von Zauberern, Werwölfen oder Vampiren.

4. Überhaupt verkaufen sich gerade Vampire zur Zeit besonders gut. Im Titel sollten jedoch unbedingt Worte wie „Nacht“, „Dunkelheit“, Zwielicht“, „Dämmerung“, „Schatten“, „Morgengrauen“ oder „Abendrot“ auftauchen, um den Lesereiz zu erhöhen.

5. Als Inhaltsangabe zu angepriesenen Büchern reichen Schlagworte. Z.B. „Mitreißendes Szenario: Architektur, Liebe, Grausamkeit und Menschlichkeit.“

6. Schundliebesromane verkaufen sich wohl nur gut, wenn das Titelbild wie folgt gestaltet ist: Ein halbnackter, üppig bemuskelter Mann mit Sturmfrisur oder Pferdeschwanz (am Kopf) grabscht sich leidenschaftlich erregt eine langhaarige, schmachtende Frau mit entblößten Schultern und bauschigem Kleid. Dabei muss der Mann IMMER links stehen. Als Hintergrund bieten sich Klippen, Brandung oder Sturmatmosphäre an. Ich habe das mal skiziert: (Man stelle sich die Skizze einfach von Kinkade gemalt vor). Ich bin zu faul, das jetzt abzufotografieren und dann hier hochzuladen. Schade, damit bleibt euch eines der größten Kunstwerke der Menschheit für immer verborgen!

7. Der Kauf des Buches „Die verblödete Republik“ erübrigt sich. Es reicht ein Blick auf die aktuellen Bestseller-Listen.

8. Man hat die Mitte des Katalogs erreicht, wenn man statt „Für immer geistig FIT!“ „Für immer geistig FETT!“ liest.

9. Es gibt ein Kochbuch von Shaun dem Schaf. Erste Erkenntnis: Es ist KEIN Lammfleisch-Kochbuch. Zweite Erkenntnis: Jeder Schwachsinn verkauft sich, wenn man einen TV-Star auf’s Cover packt.

10. Es gibt einen „inneren Engel der Heilung“, der in uns lebt und uns „aus uns heraus“ heilen kann. Meiner hat Übergewicht.

11. Die Titel mancher Ratgeber hören sich an wie ein verzweifelter Dialog: Ab heute kränkt mich niemand mehr! Wer schreit, hat schon verloren! Ein klares Nein muss manchmal sein! Ich weiß, was du denkst!

12. Kinderbücher müssen heute erzieherischen Inhalt haben, sonst taugen sie nichts: Tschüss, mein kleiner Schnuller!, Julchen geht auf’s Töpfchen, Jule geht nicht mit Fremden mit.

13. Es ist ganz leicht, abzunehmen. Man muss nur entsäuern, die Blutgruppe bestimmen, auf böse Kohlenhydrate achten, die Regeln der Trennkost befolgen, sich Akupressieren und sich regelmäßig mit Schüsslersalben einreiben. Alternativ reicht es auch, einfach zu schlafen.

14. Es gibt eine hässliche neue Figur, die der Diddlmaus Konkurrenz machen könnte: Gelini.

Und das nächste Mal lese ich in der Badewanne wieder ein Buch. 🙂

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Veröffentlicht von

Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

2 Gedanken zu „Der Biss der Wanderhure“

  1. Komm schon, Shaun ist auf jeden Fall noch am erträglichsten von dieser Gesellschaft 😀

    Was ist …. Gelini? Alles mit „ini“ am Ende ist vermutlich von deutschen Pädagogen erfunden worden und daher ein weiterer Grund zur Vorsicht.

    P.S.: Hier ist doch irgendwie wieder ein Anklang Außerirdisches drin.

  2. Ja, Shaun ist erträglich und eigentlich ganz niedlich. Aber Shauns Kochbuch? Man kann alles übertreiben. Demnächst gibt’s dann auch „Burger braten mit Spongebob“ und „Kuchen gestalten mit Bob dem Baumeister“…

    Gelini sieht genauso aus, wie er/sie/es heißt. Das ist ja das Schreckliche. 😀 Wenigstens zwei „inis“ sind tatsächlich mit Vorsicht zu genießen: Felini und Paganini. Beide höchst erregend.

    Und. Du! Bist schon der zweite, der mir außerirdischen Anklang in Blogposts bescheinigt. Auweia, ich habe wohl doch keinen Engel der Heilung in mir, sondern schlimmeres… ^^

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