Wie man – auch in harten Zeiten – RICHTIG Geld verdienen kann (1)


Ich finde keinen Einstieg in den folgenden Artikel, weshalb ich direkt in media res gehen werde. Kurz und knapp werde ich nun eine von zwei Methoden schildern, wie man in harten Zeiten mit ein wenig Skrupellosigkeit und Selbstverleugnung mit 100% Sicherheit ein festes Einkommen und womöglich sogar Weltruhm erlangen kann. Und dafür ist es nicht zwingend erforderlich, Menschen zu töten oder Menschen beim Töten zu helfen. Man benötigt noch nicht einmal Kapital. (Oder kaum Kapital.)

Das Beste ist aber: Beide Vorschläge lassen sich durchaus miteinander kombinieren!

Vorschlag Nummer 1: Gründe eine Religionsgemeinschaft!

Einfacher geht es kaum, haufenweise Geld zu scheffeln! Gerade in schweren Zeiten!

Alles, was Du brauchst, ist ein loses, nach Möglichkeit erweiterbares Grundkonzept, viel Esoterik und ein CMS mit Shoperweiterung. Ein wenig Feingefühl und Manipulationsgabe sind von Vorteil, aber nicht zwingend erforderlich. Auch gänzlich ohne Charisma kann man in einer Religionsgemeinschaft bis in die Chefetage aufsteigen (siehe → Papst).

Es spielt übrigens auch gar keine Rolle, welches Glaubenskonstrukt Du selbst für wahr erachtest. Nicht einmal Gläubigkeit ist eine Voraussetzung!

Ohne Vorarbeit geht es allerdings nicht. Informiere Dich zunächst ausgiebig über Deine Konkurrenz. „Wie machen es die Anderen?“ ist die Frage, die Du Dir stellen mußt. Und: „Was kann ich besser machen?“

Auch sollte man immer am Puls der Zeit agieren und vorallem nicht plagiieren, wenn das Urmodell schon am intellektuellen Pranger steht: Den ans Kreuz genagelten Gottessohn als Erlöser von der Erbsünde gab es schon. Jetzt also mit einer geräderten Gottestochter anzukommen, ist nicht nur aufwändig, sondern auch leicht durchschaubar.

Orientiere Dich lieber an modernen Sekten und plagiiere diese! Moderne Sekten haben den Vorteil einer pseudowissenschaftlichen Komponente und sprechen insgesamt das Wellnessempfinden der heutigen Gesellschaft an. Den pferdefüßigen Teufel mit Hörnern finden man eben so selten wie über Wasser laufende Wunderheiler. Dafür den von Lichtgestalten beseelten, mit Geistwesen channelnden energetischen Handaufleger, der Heilung nur dann garantieren kann, wenn der Kranke sich selbst vergibt und gesund werden will. Darin steckt enormes Potential!

Doch Worte – geschrieben und gesprochen – sind für sich genommen noch nicht lukrativ. Vielleicht fragst Du Dich, wo denn der finanzielle Vorteil liegen könnte. Das erkläre ich Dir sogleich.

Hier die Basics:

  • Richte eine Website ein. Bevorzuge bei der Erstellung lichte Pastelltöne.
  • Schreibe Dir einen Lebenslauf, der a. eine schwere persönliche Krise und ihre Verarbeitung und b. ein einschneidendes mysteriöses Erlebnis in der Kindheit beinhaltet.
  • Lese möglichst viele esoterische Bücher und fasse deren Inhalt zu einem eigenen Konzept zusammen. Plagiiere vorsichtig! Einzelne Esoterikströme kannst Du z.B. verdammen und als unseriös bezeichnen. Dabei kannst Du ihre Inhalte problemlos in leicht abgewandelter Form übernehmen. (Beispiel: Greife den sich ausbreitenden Engelsglauben an und verurteile ihn scharf. Schreibe dann selbst über Lichtwesen in vielfältiger Gestalt.)
  • Vertreibe Deine Weisheiten als (zunächst kostenloses) E-Book.
  • Finanziere die Website über Werbung.
  • Komponiere mit einem Gratisprogramm Melodien, brenne sie auf CDs und verkaufe sie als ionisierten Engels-/Geistwesen-/Lichtgestaltengesang. Verlange nicht unter 20 Euro pro CD!
  • Vergiß nicht, auf jeden Datenträger folgenden Hinweis zu drucken: Bei Vervielfältigung geht die positive Wirkung verloren!
  • Erstelle einen esoterischen Kartensatz und vertreibe ihn als Lebenshilfe.
  • Beginne damit, bei Online-Druckereien Deine Werke als Printmedium zu erstellen. Verlange pro Buch/Heft nicht weniger als 15 Euro.
  • Treibe einen Billigschmuck-Verkäufer auf und erweitere Dein Sortiment um Heilsamulette, Geistringe und magnetische Armbänder.
  • Erschließe neue Gebiete, die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt!

Und hier der Expertenrat:

Wenn es schon einigermaßen gut läuft, richte Schulungs- und Beratungszentren ein und biete Selbstfindungs-, Meditations-, Channeling- und natürlich Train-the-Trainer-Kurse an. Ein Wochenendkurs inkl. Unterkunft und Verpflegung sollte nicht weniger als 400 Euro pro Person kosten. Keine Sorge, Du wirst einen Gewinn machen, der diesen Preis sogar übersteigen wird:

Du bietest Samstag und Sonntag jeweils einen dreistündigen Vortrag an (und unterbreche ihn alle 15 Minuten für eine halbe Stunde gemeinsame Meditation). Den kann durchaus auch ein Praktikant Adept halten. Kosten: 0 Euro! Wenn diese Seminarstunden so gestaltet sind, daß viele Fragen offen bleiben oder sogar Übungen angepriesen werden, die nicht vorgeführt werden, kannst Du im Anschluss billig gedruckte Bücher oder selbstgebrannte DVDs mit Erläuterungen verkaufen und machst sogar Gewinn!

Als Verpflegung gibt es salzlosen, in Wasser gekochten Reis. Den vermittelst Du den Teilnehmern als positiv aufgeladen, weil energetisch besungen. Als Getränk gibt es selbstverständlich gedrehtes Quellwasser (fülle einfach Leitungswasser in Flaschen ab und beklebe es mit einem Engelsetikett!).

Schließe Automatenverträge ab und stelle überall im Schulungsgebäude Snackbars auf: Ein Kaffee-, Süßwaren- und Kaltgetränkeautomat sollten für’s erste reichen. Später können auch noch Automaten für heiße Lebensmittel dazukommen. Die Teilnehmer ermahnst Du dazu, daß sie nur durch Askese zur Erleuchtung gelangen. Gleichzeitig weist Du aber, für diejenige, die noch nicht „so weit“ sind, auf Deine Automatenarmada hin: „Schämen Sie sich nicht, wenn Sie der Hunger übermannt und Sie somit noch nicht geistige Erleuchtung erlangt haben. Wir haben speziell für Sie ein reichhaltiges Automatenangebot, da Ihr Glück und Ihre Zufriedenheit für uns an erster Stelle stehen!“
Du siehst also, man kann wunderbar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen!

Die Teilnehmer schlafen im Seminarraum auf Iso-Matten. Diese können sie selbst mitbringen oder Du wagst die Investition von ein paar 100 Euro. Erkläre den Teilnehmern, daß der gemeinsame Schlafraum mit Lichtenergie und Engelsliebe gefüllt ist und dieses heilsame Kraftfeld durch das Teilen verstärkt wird!

Trage Deinen Teilnehmern auf, in ihrer Freizeit weiter zu meditieren oder die im Vortrag angepriesenen Übungen zu absolvieren (somit werden auch die Teilnehmer, die sich bisher geweigert haben, für Deine Bücher Geld auszugeben, gezwungen sein, Deinen Schund zu kaufen!).

Überreiche jedem Teilnehmer zum Abschluss ein Zertifikat, das ihn als „erleuchtenden Lichtkämpfer“ auszeichnet und schenke ihm ein Engelsamulett. Letzteres kostet zwar pro Person ein paar Euro, doch diese Investition lohnt sich! Geschenke hinterlassen einen bleibenden Eindruck (denk an Kugelschreiber auf Messen!) und stimmen den Teilnehmer fröhlich. Er wird Dir niemals finanzielles Interesse unterstellen. Bestenfalls wird er Dich weiterempfehlen oder gar am Fortgeschrittenenseminar teilnehmen wollen! (Nach dessen Abschluß ein medial geladener Geistkristall überreicht wird!)

Mit ein wenig Durchsetzungswille und Engagement lässt es ich mit dieser Idee weit kommen. Ich selbst habe sie dutzend Male zu meinen Hartz-IV-Zeiten ernsthaft durchgespielt. Hätte ich nicht so viele Skrupel gehabt, dürftet Ihr mich heute Guru Wei Cha Shanka Shari Nanka nennen. 😉

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Veröffentlicht von

Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

6 Gedanken zu „Wie man – auch in harten Zeiten – RICHTIG Geld verdienen kann (1)“

  1. hmm, das klingt nach ner genialen idee, vielleicht solltest du noch etwas zur verstärkten missionierung einbauen – vielleicht eine art schneeballmissionierung ala „von dir bekehrte werden nicht nur deine positive energie verstärken, selbst von ihnen bekehrte kommen deiner energie zugute“ 😉

  2. Noch ein Tip: Schau, dass du Kontakt zu einer/m Zeitungsredakteur(in) bekommst, der/die dein Angebot in einem Artikel (besser: einer Artikelserie) lobt, das spart zum einen Kosten für Anzeigen und wirkt zweitens seriöser und verspricht dadurch mehr Erfolg.

  3. @tobi: Gute Idee! Die Missionierung habe ich oben noch gar nicht richtig erwähnt. Dabei könnte man allein darüber ein eigenes Kapitel schreiben. 😀

    @cimddwc: Genau, das wäre großartiges Marketing! Und vielleicht klappt es sogar mit Schleichwerbung im Fernsehen, so wie mit der Misteltherapie gegen Krebs in irgendeiner Telenovela (Niggermeier schrieb da kürzlich im Fernsehblog darüber, wenn ich mich recht erinnere).

    @leaclow: Vielen Dank, immer wieder gerne. 🙂

    @Rene: Hehe, und zusätzlich lasse ich mich mit mindestens 20% an den Einnahmen der neugegründeten Religionsgemeinschaften beteiligen. Das ist ein richtig guter Vorschlag, dazu müsste ich noch nicht einmal den Hauch von Arbeit leisten. 😉

  4. Wenn man damit richtig Geld verdienen will, dann braucht man dazu einen ordentlichen Guru. Jemanden der die Menschen begeistert. Der zieht die Massen und den Menschen das Geld aus der Tasche. Dann kann das Internetangebot ein Erfolg werden. Nicht umgedreht. Von Obama lernen heißt siegen lernen.

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