So ziemlich alles falsch


Wenn man viel um die Ohren hat – so wie ich zur Zeit – dann gönnt man sich doch gerne eine Kaffeepause. Dazu kann man sich zuhause Kaffee aufbrühen oder in der Arbeit den Automaten bedienen. So richtig gediegen ist es aber, wenn man sich zu diesem Zweck eine entsprechende Lokalität sucht. Früher bezeichnete man Gastronomiebetriebe, die Kaffee servierten mit dem exotischen, weil fremdländischen Namen „Café“. Caafee… Mmmh… Melodisch und glückverheißend. Ein schönes Wort!

Das ist heutzutage ganz anders. Das Café ist für hippe Erwachsene ein No-Go. Wer möchte schon zwischen steinalten Omis Kaffee schlürfen, der am Ende im Kännchen serviert wird? Wo doch jeder weiß, Kaffee gehört in Pappbecher mit Plastikdeckel. Und darin abgefüllt heißt er dann auch gleich ganz anders: Coffee, Caffe Latte, Latte Macchiato, Frappuccino, Hazelnut Light oder French Press z.B. Kann ja nur besser schmecken als oller Kaffee.

Und wo trinkt man die trendigen Gesöffe? Nun ja. Meistens auf dem Weg zur Arbeit. „To go“ heißen die Zauberworte und meinen nicht, daß man erst einmal einen Kaffee braucht, um überhaupt laufen zu können. Wenn man tatsächlich Zeit erübrigen kann, kann man sich auch kurzfristig in einer durchgestylten Coffee Bar, in einem Coffee House oder gar in einem Coffee Shop niederlassen.

Was ich aber noch gar nicht kannte, das ist das Intern@t Coffee. Ja, Internet-Cafés sind mir bekannt, aber was zur Hölle ist ein Intern@t Coffee? Die Lokalität kann ja eigentlich nicht gemeint sein, Coffee ist die braune Brühe und nicht das Café. Und Intern@t, wofür steht das? Für ein besonders modernes Internat? Soll man das @ als A lesen? Oder als AT? Und was zum Teufel ist dann das Internatt Coffee? Eine schweizer Kaffeemarke? („Ei, das Heidi trinkt wieder das Internatt Coffee…“)

Ich hasse es, wenn Anglizismen verwendet werden, um völlig banalen Scheiß moderner oder internationaler darzustellen als er ist. Sale z.B. Auch so ein Reizwort. „Frühlings Sale“. Aaargh. Info Base, Counter, Service Point. Gnnnh!!! Und dann erst die ganzen Berufsbezeichnungen!! „Assistant Facility Manager“, „Vision Clearance Engineer“, „Listbroker“. „Food Designer“, „Environment Improvement Technician“. Hilfe!!

Beim Intern@t Coffee kommt erschwerend der vermeintliche Wortwitz hinzu. Der  nervt mich jedesmal, wenn ich am enstprechenden Schaufenster, in dem eben diese Leuchtreklame prangt, vorbeischlendere. Am liebsten würde ich den Laden stürmen, die Reklame runterreißen und wütend darauf rumtrampeln wie Rumpelstilzchen!!

Trau ich mich aber nicht. Und Verfehlungen dieser Art kann ich mir als Science Administrator, Academic Community Counselor und Human Resource Developer auch gar nicht erlauben.

Muss ich mich halt still ärgern. 😉

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Veröffentlicht von

Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

8 Gedanken zu „So ziemlich alles falsch“

  1. Ich beschwere mich auch über die häufige Anwendung von Anglizismen, nur um etwas besser oder wichtiger darzustellen. Das versucht man aber auch im Deutschen. Früher war es der Müllmann, heute ist es der Müllwerker oder Abfallentsorgungsmanager. Hallo?

    Aber je öfter ich mich darüber wundere oder gar ärgere, erwische ich mich doch häufig auch mit den englischen Worten in meinem sonst deutschen Wortschatz. Es fängt mit einem Download an und hört mit einem Update auf. Irgendwie bringt es mein Job mit sich, dass ich mich mit dem ganzen finanzwirtschaftlichen Kauderwelsch herumplagen muss. Asset-Manager, Floor, Cap, Swap, Value at Risk. (Um jetzt nicht irgendwelchen Zorn auf mich zu ziehen: ich arbeite nicht bei einer Bank oder in der Finanzbranche…)
    Mehr Englisch, als mir gut tut.

  2. Genau keiner was am Ende mehr was gemeint ist. Eine etwas ältere Frau fragte mich mal was ein Kaffee TOHHGO wäre. Etwas verwirrt fragte ich nach und stellte fest dass dies nicht etwa Kaffeebohnen aus Togo meinte sondern in der Tag den Kaffeebecher zum Mitnehmen. Das ist echt eine Unsitte, die auch nur im deutschsprachigen Raum stattfindet bei mir an der Arbeit wird sehr viel Französisch gesprochen und da heißt ein Update halt „Mise à jour“ also eine Aktualisierung. Warum muss immer eine so technisch anspruchsvolle Bezeichnung gefunden werden? zugegeben „Zum Mitnehmen“ ist länger aber das versteht wenigstens auch meine älteste Schwester und die ist gerade mal 30. Weil Leute über 30 können mit dem ganzen SCHEIß erstmal gar nichts anfangen 😉 Lange Rede kurzer Sinn, rettet die deutsche Sprache 😀

    ps und dieser Schreibstil kann man nur einer Frau andichten. Schön, dass es hier weitergeht 😀

  3. Was mich dabei immer fasziniert, sind die Menschen, die auf solchen Bullshit (^^) abfahren. Kein Fremdsprachler käme auf die Idee, diese ganzen Anglizismen ins Deutsche zu nehmen, auch kein Deutscher, der fließend Englisch redet. Das sind meist so Vollpfosten, die auf Englisch keinen geraden Satz auf die Kette bekommen.

  4. Ich kenne das auch, gerade auch aus meinem Job.
    Aber ich möchte hier mal deutlich dagegen sprechen, dass das nur Leute so nutzen, die „Vollpfosten“ sind und eben solche, die kaum einen vernünftigen englischen Satz heraus bringen.
    Ich spreche fließend Englisch und mir rutscht genau an den Tagen so viel Müll mit raus, an denen ich kaum ein Wort Deutsch sprechen konnte.
    Davon ab – ich mag das auch nicht, aber es ist nun mal Fakt, dass Sprache lebt. Und bei der fortschreitenden „Verkleinerung“ der Welt ist es doch kein Wunder, wenn mehr und mehr aus anderen Sprachen und Kulturen zu uns rüber rutscht. Und Englisch ist nun mal die Geschäftssprache schlechthin.
    Aber man sollte dabei auch nicht vergessen, dass auch deutsche Wort in’s Englische eingegangen sind: Waldsterben und Kindergarten z.B (für beides gibt es inzwischen englische Begriffe, aber das war nicht immer so).
    Wie auch immer – ich denke, dass wir das nicht wirklich aufhalten können, denn nachfolgende Generationen nehmen das schon als selbstverständlich hin. Die stört es einfach nicht mehr.

  5. Ich hab mich Ende Februar zu einer ITIL Schulung überreden lassen. Nach den Definitionen von ITIL ist meine aktuelle Berufsbezeichung „Service Level Managerin“. Klingt wichtig und irgendwie toll – offiziell würd ich mich allerdings weniger als Managerin, sondern viel mehr als unterbezahlte Teamassistentin (Mädchen für alles) bezeichnen.

    Aber davon weg: Heutzutage ist es wohl normal, dass man Denglisch hört. Darauf will ich nämlich eigentlich hinaus. Die tolle ITIL-Schulung brachte nämlich einen tollen Sprachmix mit sich: Englische Bezeichung, deutsche Erklärung. Am Ende wußte man gar nicht mehr wirklich, worüber man eigentlich redet…

  6. @Dany: Das stimmt natürlich. So viele Anglizismen, gerade im Bereich IT haben sich mittlerweile eingebürgert. Ich kann das auch gut verstehen, da vieles seinen Ursprung im angloamerikanischen Raum hat und somit (sobald es sich als massentauglich etablierte) von Anfang an englische Bezeichnungen trug.

    Mich nerven vorallem die Übertreibungen, der Hauch von Internationalität oder Moderne, den man mit englischen Bezeichnungen verleihen möchte. Wenn ein Unternehmen wie Microsoft eine englische Bewerbung und ein englisches Bewerbungsgespräch verlangen, kann ich das nachvollziehen. Wenn das die Bäckerei Waldlinger aus Furth im Wald einfordert, wird es albern. 😀

    @erdmaennchen: Vielen Dank 🙂 und schön, daß man sich hier wieder“sieht“. Für ältere Mitbürger und auch für die Vielen, die Englisch nicht in der Schule hatten, ist das in der Tat sehr verwirrend und ärgerlich.

    Aber auch für die, die meinen, des Englischen mächtig zu sein, ist es nicht ganz einfach. Vor längerer Zeit schon gab es mal eine Studie bzgl. englischsprachiger Werbung in Deutschland. Die Teilnehmer wurden gefragt, wie sie entsprechende Werbesprüche verstehen. Ich erinnere mich noch an das Ergebnis zu „Come in and find out“, damals ein Slogan von Douglas. Etliche übersetzten das für sich mit „Komm rein und finde wieder raus.“ Nicht gerade sehr werbewirksam. 😀

    @thearcadier: Stimmt, es gibt noch den großen Teil der Angeber, die meinen, sie müssten ihre „Welterfahrenheit“ mit englischen Ausdrücken auskleiden zu müssen.

    Lange, bevor wir alle im Internet unsere zweite Wohnstatt gefunden haben, schrieb mich mal ein Kunde an, er schicke mir dann noch einen Disclaimer zu. Ich hatte das Wort noch nie gehört und mein Wörterbuch verwirrte mich zusätzlich. „Widerruf“ stand da. Hä?

    Ich rief ihn also an und fragte ihn, was Disclaimer eigentlich bedeute: Er wußte es auch nicht, aber es sei Usus in seiner Firma. Nun ja.

    @Rooby: Ich finde es auch gar nicht schlimm, wenn Anglizismen Eingang in die Deutsche Sprache finden. Sprache lebt, wie Du sagst. Nur wenn englische Wörter oder Ausdrücke verwendet werden, um etwas zu verschleiern, etwas moderner klingen lassen zu wollen (gerade in der Werbung), dann finde ich das nervig und lächerlich. Das ärgert mich dann schon.

    @Tshalina: Schlimm ist es, wenn die Hälfte wirklich nicht versteht, was gemeint ist, sich aber nicht zu fragen traut. Bspw. wissen etliche Bewerber bei uns nicht, was sich hinter dem Begriff Assessment-Center verbirgt. Gefragt wird aber auch nicht, aus Angst, man hielte sie für dumm. Dabei würde ich von einem 18-jährigen Schüler nicht zwangsläufig erwarten, daß ihm die Bedeutung geläufig ist.

  7. Es kommt aber auch darauf an, was die Kunden daraus machen. Schließlich wird niemand dazu gezwungen, einen Coffee to go zu bestellen.

    Ich bestelle meinen Kaffee „zum Mitnehmen“, wenn ich nicht einkehre, und hatte noch nie ein Problem damit. Wenn man auf Deutsch bestellt, wird man schon verstanden.

    Dass Café besser als Coffee House oder Coffeeshop wäre, kann ich nicht sagen. Sehr gut gefällt mir der Begriff Kaffeebar. Grundsätzlich bin ich jedenfalls nicht der Meinung, dass Begriffe aus dem Englischen schlechter sind als solche, die aus der französischen oder italienischen Sprache stammen. Doch darüber regt sich fast niemand auf.

  8. Ich kenne das auch, aus meinem Nebenjob. Ich bin Sandwich Artist und verkaufe Chicken Brihst auf Wet Brot.
    Ich finde das immer grauenvoll, wenn die Kunden gewzungen sind auf englisch zu bestellen, obwohl sie es nicht können.
    Ich habe mich am Anfang dagegen gewehrt und den Leuten Kekse statt Cookies und Rabattmärkchen statt Stamps angeboten. Als der Chef das gehört hat, hab ich aber einen Rüffel bekommen, ich solle mich an die richtigen Namen halten.

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