Die außergesellschaftliche Verortung von Einsamkeit


Oder so ähnlich. Manche Sätze muß man ja zwei-, dreimal lesen, bevor man ansatzweise versteht, was gemeint sein könnte. Besonders in wissenschaftlicher Literatur findet man häufig Konstrukte, manche sogar seitenlang, deren Sinn man einfach nicht entschlüsseln kann.

Mein ehemaliger Professor für Arbeitsrecht sagte einmal, wer sich nicht klar ausdrücken könne, der verwende möglichst viele Fremdworte. Ein paar hielten sich daran und erhielten Punktabzug. Muhahaha. (Geschadet hat es aber nicht. Sind heute sicherlich alle Anwälte und Richter.)

Eine nützliche Empfehlung gab uns auch ein Strafrechtsprofessor mit auf den Weg: „Schreiben Sie so klar und verständlich, daß es auch der lezte Depp verstehen kann. Immerhin haben Sie es zukünftig bevorzugt mit Juristen zu tun.“

Das hat dieser Journalist/Autor wohl versäumt:

„Bei Politikern, so scheint es, ist die Behauptung von Einsamkeit die letztmögliche Form eines heroischen Habitus. Der beständigen öffentlichen Kritik ausgesetzt, entzieht sich der Politiker ihr mit der Suggestion einer einsamen Charaktertiefe, die nur außerhalb der Gesellschaft zu verorten sei.“ (Quelle)

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Veröffentlicht von

Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

3 Gedanken zu „Die außergesellschaftliche Verortung von Einsamkeit“

  1. Genau so soll man es ja eigentlich NICHT machen, finde ich. Auch und besonders als Journalist schreibt man doch, damit es gelesen wird, nicht damit die Leute anerkennen, wie toll man ist….

    Ich rege mich bei wissenschaftlicher Literatur auch schon immer darüber auf, dass die Leute nicht einfach mal Tacheles schreiben können, gewissermaßen…

  2. *schmunzel* wie hat mein Dad das früher immer so schön gesagt? „Das Maximum der Fremdwörter ist auf ein extremes Minimum zu reduzieren“

    Spannend wird es aber auch im Gegenschluss, wenn wirklich jeder die Texte verstehen muss müssen wohl auch Wörter wie Akkordarbeit, Faschismus oder Patent vermieden werden (nach beiden und einigen mehr bin ich von einer Klassenkameradin gefragt worden – und das in der 13!)

    grüße
    Lyssa

  3. @Basti: Du sagst es. Und gerade in der Fachliteratur ist vieles so aufgebläht und mehr Schein als Sein.

    Ich besuchte mal eine Ringvorlesung mit verschiedenen vortragenden Professoren, darunter auch Uvo Hölscher. Ua. ging es auch um die Ausgrabung des antiken Trojas. Ständig war von den verschiedenen Siedlungsschichten die Rede, die lustig durchnummeriert sind. Irgendwann wagte sich eine Studentin und fragte, wie sie sich das in Troja vorzustellen habe.

    Ein Professor fing an zu sprechen (kein wörtliches Zitat, aber sinngemäß): „Als archäologische Stratigraphie bzw. Stratigrafie bezeichnet man bei Ausgrabungen die in einem vertikalen Schichtprofil feststellbare Abfolge von Strata (Sg. Stratum) (lat. stratum, Pl. strata, zu sternere „ausbreiten“: „Schicht“), die durch natürliche und anthropogene Ablagerungen sowie Baumaßnahmen (Aufschüttung, Graben, Schacht, Brunnen, Pfostenloch, Planierung, Verfüllung etc.) entstanden ist.“

    (Text habe ich bei wiki geklaut, aber es kommt der Aussage ziemlich nahe bzgl. Länge und Inhalt.)

    Uvo Hölscher richtete sich plötzlich an die Studentin und unterbrach seinen Kollegen abrupt: „Vorstellen können Sie sich das ganz einfach. Ist wie eine leckere Torte, die man aufschneidet. Da sehen Sie die einzelnen Schichten. Und so ist es mit Troja auch.“

    Das ist der Unterschied. Die einen können es, die anderen nicht. 🙂

    @Lyssa: An den Rat Deines Vaters sollte man sich wirklich halten. Und Du hast schon recht, so ganz ohne Fremdworte geht es nicht und es wird natürlich immer welche geben, die die Texte nicht verstehen. Insofern ist mein Posting ein klein wenig übertrieben. 😀

    Es ist ansich keine Schande, wenn man mal ein Fremdwort nicht kennt und es hängt auch vom Alter ab. Aber ein wenig Angst macht es schon, wenn geläufige Begriffe in der 13. einigen noch unbekannt sind. (Ich würde auf mangelndes Lesen schließen.)

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