Nachrichten, wie sie sein sollen


Sind wir doch mal ehrlich. Ständig Krieg, Kindesmißhandlung, gebrochene Politikerversprechen, Finanzkrise und Börsentiefflug – das deprimiert auf Dauer. Dummheit und Unwissen kann dagegen wunderbar glücklich machen. Und deshalb begrüße ich die Entscheidung der Pro7-Nachrichtenredaktion außerordentlich, fortan auf Meldungen, die uns aufregen, informieren oder zum Nachdenken anregen können, zu verzichten.

Wunderbar also die heutige 18 Uhr Newstime:

  • Irgendeine Feuerwehr irgendwo in Deutschland ist zum zweiten Mal in 15 Jahren abgebrannt. Kommentar eines Feuerwehrmanns: „Wir sind verflucht.“
  • Obama hat in einem Diner gegessen und hatte eine Zwiebel an der Lippe kleben. Er bat außerdem um geriebenen Käse.
  • Aus irgendwelchen Gründen gibt es viele Haie und die greifen Menschen an.
  • Prinz Harry hat auf einem uralten Video seine Kumpels ziemlich politisch unkorrekt beschimpft und sich über Omi lustig gemacht. Kommentar von irgendjemanden dazu: „Der Prinz reißt tiefe Gräben in unser Land.“
  • Skifahren: Irgendjemand hat irgendwas gewonnen.
  • Und zuletzt noch ein bißchen Eigenwerbung für Pro7, schön verpackt in eine Meldung: Irgendwo werden die Golden Globes vergeben. Pro7 wird das Spektakel übertragen.

Wunderbar! Nachrichten, wie sie sein sollen. Und man muß sie sich nicht mit Coke Zero schön trinken. Obwohl die Produktbezeichnung doch durchaus passend wäre.

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Veröffentlicht von

Katjalyse

Ich heiße Katja. Oder so ähnlich. Seit 2008 wohne ich in der norddeutschen Diaspora (Hamburg). Grund: Liebe. Bisher nicht bereut. Weder Liebe noch Hamburg. Ich blogge seit 2005, also schon ein paar Tage länger und unter verschiedenen Pseudonymen. Aktuell unter Katjalyse und auf dem Mitmachblog.

4 Gedanken zu „Nachrichten, wie sie sein sollen“

  1. Die Newstime darf ja nicht dazu führen, dass die Leute von PRO7 wegzappen. Deshalb müssen die Nachrichten genauso sein wie das Programm. Flach und belanglos.

  2. Wäre ja noch schöner, wenn ich bei ARD und ZDF für meine Gebühren nichts bekäme. Es muss irgendetwas geben was die Öffentlich-Rechtlichen besser machen als die Privaten.

  3. @tobi: Du sagst es: Deprimierend.

    @bravo56: Stimmt. Wahrscheinlich werden in der Redaktionssitzung erst einmal alle Themen weggestrichen, die ein Mindestmaß an Hintergrundwissen erfordern (wo liegt eigentlich der Gazastreifen, wer ist unser Finanzminister, was ist eine Rezession usw.). Prinz Harry und die Golden Globes dagegen kennt man aus der Bild. Da weiß jeder Zuschauer sofort, um was es geht.

    @Jochen: Nun ja. Wenn ich da an diverse TV-Formate denke, die unsere Gebühren finanzieren… Selbst in der Tagesschau und in den Tagesthemen haben mittlerweile höchst merkwürdige Themen Einlaß gefunden. Angleichung nach unten womöglich.

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